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Paraskavedekatriaphobische Überlegungen

Unter Datenanalysten kommt das Praktische manchmal zu kurz. Das soll heute anders sein. Was haben Leser dieses Blogs und sein Autor heute zu befürchten? Immerhin: Es ist Freitag, der 13.

Ich reise heute ziemlich genau 1.000 km weit. Die Reise ist lange geplant. Dass sie auf einen Freitag, den 13. fallen würde, war mir nicht entgangen. Ich habe mich also vorbereitet.

Freitage sind gefährlich
Die für Abergläubige gute Nachricht zuerst: Freitage sind gefährlicher als andere Wochentage. Die Ursache ist für uns andere aber trivial: Viele fahren ins Wochenende. Mehr Verkehr, mehr Unfälle. Das bestätigt auch unsere eigene kleine Auswertung aktueller Unfalldaten.


Freitage sind unfallträchtiger als andere Wochentage (Quelle: Statistisches Bundesamt, Unfälle mit Personenschaden der Jahre 2000–2008, Diagramm: DeltaMaster).

Dreizehn ist egal
Müller hat anhand von Unfallzahlen für Westdeutschland im Zeitraum von 1964 bis 1982 zeigen können, dass an Freitagen, die auf den 13. fallen, sich nicht mehr Unfälle ereignen als an anderen Freitagen*. Wunder bestätigte diese Beobachtung für die Jahre 1985 bis 1999 in Deutschland**. Und wir haben das für die Jahre 2000–2008 ebenfalls nochmals so gefunden:


Freitag, der 13. ist nicht unfallträchtiger als andere Freitage (Quelle: Statistisches Bundesamt, Unfälle mit Personenschaden der Jahre 2000–2008, Diagramm: DeltaMaster).

Die Gefahren des heutigen Tages sollten wir also meistern können. Übrigens ist diese heitere Überzeugung weit verbreitet. Allenfalls kokettieren wir gelegentlich mit dem Datum. Denn: Freitag, der 13. findet vor allem in den Medien statt. Es wird daher heute vergnüglich sein mitzuzählen, wie oft wieder von einem jahrhundertealten Aberglauben*** die Rede ist, den moderne Unfallstatistiken widerlegt hätten. Auch das ist Aberglaube. Freitag, der 13. ist eine moderne Erfindung. In Deutschland findet man Hinweise darauf erst seit der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Vermutlich wird auch der massentherapeutische Unsinn wiederholt, die Dreizehn bringe im Gegenteil Glück.

Wir wollen nur allzu gerne glauben, unsere Zeiten seien aufgeklärter als andere. Sie sind es nicht. Im Gegenteil: Wo Aufklärung draufsteht ist oft neuer Aberglaube drin.

Wer trotzdem nicht aus dem Haus mag: Paraskavedekatriaphobie flüssig auszusprechen, kann einen eine Weile beschäftigen. Dieses scheußliche Wort bezeichnet die Phobie vor Tagen wie dem heutigen. Ob daran wirklich jemand leidet?

Quellen:
* Müller, A., Mehr Verkehrsunfälle am Freitag, dem Dreizehnten? Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie 30 (1988) o. Nr., S. 226 ff.
** Wunder, E., Die Folgen von „Freitag dem 13.“ auf das Unfallgeschehen in Deutschland, Zeitschrift für Anomalistik, 3 (2003) o. Nr., S. 47 ff.
*** Dreischer, M., Heute ist ein Glückstag, Rheinische Post, 13.02.2009, S. C8.

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