Voll korekkt
Diagramme sollte man genauso gründlich Korrektur lesen wie jeden beliebigen Text. Denn guter Inhalt verdient gute Form. Und unser Vertrauen leidet unter schlampiger Verpackung. Ein Plädoyer, nicht nur für Sprachsensible.
An einem schönen herbstlichen Wochenende fuhr ich durchs schöne Wispertal im Rheingau. „Biker’s Willkommen!“ – mit dieser Aufschrift wirbt dort ein Gasthof um Zweirad fahrende Besucher. Zwei Worte, vier Fehler. Inklusive des sogenannten Deppen-Apostrophs, der im Englischen den Genitiv kennzeichnet, im Deutschen hingegen nur einen Mangel an Kenntnissen desselben. Ich litt.

Zwei Wörter, vier Fehler. Nach Duden wäre richtig: „Biker willkommen!“
Die Deutsche Bank warb kürzlich im Stil eines Wörterbuchs, mit Trenn‑ und Betonungshilfe, um den Mittelstand. Im Zentrum der Anzeige: die Vokabel „Fi|nan|zu|gang“. Wer auch immer das „z“ vergessen hat: Ich beneide ihn nicht.

Der Focus berichtete über die Zahlen des um Porsche gewachsenen VW-Konzerns. Für Skoda wurden 62.600 Fahrzeuge und 8 Milliarden Euro Umsatz angegeben. Einem Leser fiel es auf: Das konnte nicht stimmen. Trotz billigerer Fahrzeuge machte Skoda mit weniger Autos mehr Umsatz als Porsche. Der Focus gab dem Leser Recht. Die Zahlen waren falsch, es fehlte eine Null. Skoda baut 626.000 Autos.

Quelle: Focus 31/2009, Seite 25.
Die WamS brachte kürzlich zwei gute Diagramme zum Thema Entwicklungshilfe für Ghana und Malaysia. Ein kleines Missgeschick sorgte dafür, dass zwar der Hinweis auf die Quelle mit „Quelle:“ gegeben wurde, diese aber fehlte.
All das hätte besser jemand Korrektur lesen sollen. Jeder Text, jedes Diagramm hat das verdient. Denn die Unterstellung lautet: Wo kleine Fehler sind, sind auch große. Auch die beste Datendarstellung wird daher durch Fehler in Überschrift, Legende, Kommentar leiden.
Mancher legt als Pedanterie aus, was uns Sprachpedanten nur höflich erscheint. Konventionen helfen, sich richtig zu verstehen. Auch der pragmatische Sprachgrobian muss einsehen: Formal korrekt zu sein, ist gutes Marketing für unsere Berichte. Wer soll unsere Botschaft ernst nehmen, wenn wir selbst zu faul waren, sie noch einmal gründlich zu lesen?


Das Schild enthält ja einen so repräsentativen Querschnitt durch die beliebtesten Sprachidiotien, dass man fast annehmen könnte, jemand mit Sinn für Ironie habe es bewusst zusammengestellt. Zum Deppen-Apostroph gesellen sich hier zwanglos das Deppen-Anführungszeichen und das Plenken (Leerzeichen vor dem Satzzeichen.) Das wäre doch ein gefundenes Fressen für Spiegel und Co.
Donnerstag, 17. Dezember 2009, 10:01Kann man bei diesem Firmennamen glauben, dass man „Bank“, aber nicht „Deutsch“ beherrscht?
Die Anzeige erscheint weiterhin ohne das fehlende 2. „z“, siehe FAZ v. 30.12.09. Geändert hat man sie aber schon, ergänzt um die zeitliche Einschränkung, dass der Mittelstand den Ugang oder Zugang „in 2010“ benötige.
Darüberhinaus: wie ist es zu bewerten, dass Google auf „Finanzugang“ kein „Meinten Sie …“ vorschlägt?
Mittwoch, 30. Dezember 2009, 11:15Und sie haben es wieder gedruckt! Im SPIEGEL dieser Woche (14. 6. 10) wieder die Headline „Finanzugang“ der Deutschen Bank in einer halbseitigen Ad mit der netten Baseline „Leistung aus Leidenschaft“. Nun, entweder sind dieser Frankfurter Sparkasse die Kröten für einen Lektor ausgegangen oder aber ihr Image ist denen inzwischen dermassen egal, dass diese Werbekampagne einfach so weiterläuft… In den 80er-Jahren, als ich Lektor bei der Zürcher Werbeagentur GGK war, wurden schon Kundenmails (50000 Stück Auflage) wegen eines geringeren Anlasses (1 Fehler im Lauftext) sofort eingestampft und neu gedruckt!
Dienstag, 15. Juni 2010, 01:16Ich habe das gestern in der wiwo gelesen (03.07.2010). Ich konnte es nicht glauben und habe eher ein fehlendes Verständnis bei mir gesucht. Aber scheinbar war es wirklich ein Fehler.
Dienstag, 6. Juli 2010, 14:19Ich bin sehr erstaunt, dass dieser Fehler den Verantwortlichen bei der Deutschen Bank mehr als 7 Monate lang nicht auffällt. Sie haben sich den Spott verdient.
Donnerstag, 22. Juli 2010, 19:38