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	<title>»Me, myself und BI« &#187; Sprache</title>
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	<description>Bissantz denkt nach</description>
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		<title>Sagen sieben Worte mehr als ein Diagramm?</title>
		<link>http://blog.bissantz.de/wettbewerb-sprache-diagramme</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Oct 2010 16:56:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Nicolas Bissantz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Business Intelligence]]></category>
		<category><![CDATA[Diagramme]]></category>
		<category><![CDATA[Infografik]]></category>
		<category><![CDATA[Säulendiagramm]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Wall Street Journal]]></category>

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		<description><![CDATA[Manche Diagramme brauchen mehr als 1000 Worte. Und sieben Worte können einem Diagramm haushoch überlegen sein. Heute machen wir dem Mythos, Diagramme seien Bilder und wären echte Quasselstrippen, endgültig den Garaus.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Manche Diagramme brauchen mehr als 1000 Worte. Und sieben Worte k&ouml;nnen einem Diagramm haushoch &uuml;berlegen sein. Heute machen wir dem Mythos, Diagramme seien Bilder und w&auml;ren echte Quasselstrippen, endg&uuml;ltig den Garaus.</strong></p>
<p>Vor kurzem sa&szlig; ich ziemlich lange vor einem ziemlich einfachen Diagramm. Es zeigt, dass Venture-Capital-Gesellschaften einen geringeren Teil ihres Geldes in IT-Start-ups investieren. Genauer gesagt: der Anteil fiel in den Jahren von 2005 bis 2010 von knapp 60&#160;% auf etwas unter 40&#160;%.</p>
<p>Das <a onclick="return openPopup('/images/2010-10-29_WSJE_2010-10-25_S15_Diagramm.JPG', '');" href="http://blog.bissantz.de/images/2010-10-29_WSJE_2010-10-25_S15_Diagramm.jpg">Diagramm</a> ist asketisch beschriftet. Ich musste die Werte erraten. Um herauszu&shy;finden, ob der aktuelle R&uuml;ckgang nochmals so stark ist wie anfangs, h&auml;tte ich Lineal und Taschenrechner gebraucht. Das lie&szlig; ich sein.</p>
<p class="gray"><img src="/images/2010-10-29_WSJE_2010-10-25_S15.jpg" alt="Percentage of regional venture-capital spending that goes to IT start-ups. - Quelle: Wall Street Journal Europe, 25.10.2010, S. 15."  style="margin-bottom: 4px;" /><br />Paradox: Wenn es darum geht, uns zu informieren, enth&auml;lt <a onclick="return openPopup('/images/2010-10-29_WSJE_2010-10-25_S15_Diagramm.JPG', '');" href="http://blog.bissantz.de/images/2010-10-29_WSJE_2010-10-25_S15_Diagramm.jpg">das Diagramm links oben</a> zu viele und nicht zu wenige Daten. Eine gute &Uuml;berschrift h&auml;tte es ersetzen k&ouml;nnen.&nbsp;Quelle: Wall Street Journal Europe, 25.10.2010, S.&#160;15.</p>
<p>Ich machte mir Gedanken, wie genau man es wissen will und ob es redundant w&auml;re, in der &Uuml;berschrift zu sagen, was man darin sieht. H&auml;tte es etwas ge&shy;bracht, die S&auml;ulen mit Werten zu beschriften? W&auml;re ein Satz besser gewesen? Dieser etwa: &bdquo;VCs investieren seit 2005 immer weniger in IT-Start-ups&ldquo;?</p>
<p>Ich machte mich auf die Suche nach &Uuml;berschriften und lernte: Sprache kann sehr effizient darin sein, mit Informationen umzugehen, die auf Zahlen beruhen. Besonders gut darin ist das Wall Street Journal. Der Satz &ldquo;Australian dollar reaches a 28-year high&rdquo; (1) bringt auf den Punkt, was eine lange Reihe von Notierungen in einem Diagramm bei kundiger Auswahl des Zeitraums uns sagen k&ouml;nnte, und er ben&ouml;tigt daf&uuml;r nur wenig von dem kostbaren Raum innerhalb unserer Augenspanne.</p>
<p class="gray"><img src="/images/2010-10-29_WSJE_2010-10-15_S4.jpg" alt="Australian dollar reaches a 28-year high. - Quelle: Wall Street Journal Europe, 15.10.2010, S. 4." style="margin-bottom: 4px;" /><br />Manche S&auml;tze sind so pr&auml;zise und glaubw&uuml;rdig, dass sie Darstellung und Beweisf&uuml;hrung mithilfe eines Diagramms nicht vermissen lassen.</p>
<p>Gar nicht erst mit Zahlen zu vermitteln ist Konnotation. Die Schlagzeile &ldquo;Apple&rsquo;s iPad opens new frontier, may challenge primacy of laptops&rdquo;  (2) ist ein G&auml;nsehaut-Satz. Selbst die internen Umsatzreihen von Apple w&uuml;rden nicht sagen, was dieser Satz sagt. Sollten die PC-Hersteller &auml;hnlich denken, dann kann man sich vorstellen, wie die n&auml;chsten Jahre um die Vorherrschaft auf dem PC-Tablet-Markt gerungen werden wird. Die Vorstellungen, die durch die Konnotation der Worte &bdquo;new frontier&ldquo;, &bdquo;challenge&ldquo; und &bdquo;primacy&ldquo; ausgedr&uuml;ckt wird, illustrieren diese Vorstellung nuancenreich und bildstark. Auch Prognose&shy;zahlen w&uuml;rde die Wucht fehlen, die die Vorstellung einer Substitution eines eingeschwungenen Marktes durch eine zun&auml;chst erfolglose und dann spielerisch neu platzierte Technologie erzeugt.</p>
<p class="gray"><a onclick="return openPopup('/images/2010-04-01 WSJE Apples iPad opens new frontier p1.jpg', '');"href="/images/2010-04-01 WSJE Apples iPad opens new frontier p1.jpg" /><img src="/images/2010-04-01 WSJE Apples iPad opens new frontier p1_ausschnitt_450x171.jpg" alt="Apple's iPad opens new frontier, may challenge primacy of laptop - Quelle: Wall Street Journal Europe, 01.04.2010, S. 1." style="margin-bottom: 4px;" /></a><br />Andere S&auml;tze haben eine so starke Konnotation, dass sie nicht einmal Zahlen vermissen lassen. Quelle: Wall Street Journal Europe, 01.04.2010, S.&#160;1.</p>
<p>Umgekehrt funktioniert Sprache auch. Manipulation entlarvt sich in Sprache schneller als in Diagrammen oder Tabellen. S&auml;tze wie &bdquo;Der Weizenpreis ist explodiert&ldquo;  oder &bdquo;Zocker treiben die Weizenpreise&ldquo; verraten, dass hier nicht informiert, sondern interpretiert wird. S&auml;tze wie &bdquo;Euro hits 8-month low&rdquo;  (3) und &ldquo;Santander profit up 13%&rdquo;  (4) hingegen sind integer. Wir vermissen das Diagramm dazu nicht.</p>
<p>Fazit: Wir lesen schneller, als wir die Abstraktion vieler Diagramme verstehen. Sprache liefert Konnotation, Zahlen und Zahlworte sind bereits integraler Bestandteil von Sprache. All das stellt Sprache in den Wettbewerb mit Diagrammen. Fallweise haben wir zu entscheiden, was unsere Botschaft schneller &uuml;bermittelt.</p>
<p class="gray" style="margin-top: 16px;">Zitierte &Uuml;berschriften aus dem Wall Street Journal Europe: (1) 15.10.2010, S.&#160;4; (2) 01.04.2010, S.&#160;1; (3) 05.02.2010, S.&#160;23; (4) ebenda, S.&#160;19.</p>
<p class="gray">Mehr zum Thema auch in fr&uuml;heren Artikeln:</p>
<ul class="gray">
<li><a href="http://blog.bissantz.de/1000worte">Sagen Bilder mehr als Tausend Worte?</a></li>
<li><a href="http://blog.bissantz.de/le-mans">Vor allem zeig Deine Zahlen auch mal nicht</a></li>
<li><a href="http://blog.bissantz.de/peter-singer">Der siebte Dan: Daten in S&auml;tzen</a></li>
<li><a href="http://blog.bissantz.de/napoleon">Zu Deinem Bild sag 1.000 Worte</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Voll korekkt</title>
		<link>http://blog.bissantz.de/gehalt-inhalt-form</link>
		<comments>http://blog.bissantz.de/gehalt-inhalt-form#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 27 Nov 2009 11:31:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Nicolas Bissantz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Business Intelligence]]></category>
		<category><![CDATA[Berichte]]></category>
		<category><![CDATA[Focus]]></category>
		<category><![CDATA[Regeln]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[WamS]]></category>

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		<description><![CDATA[Gegenlesen ist bei Diagrammen ebenso wichtig wie bei Texten. Beispiele dafür findet man reichlich. Auch für Datendarstellungen gilt nämlich: Ihr Gehalt kommt von gutem Inhalt in korrekter Form.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Diagramme sollte man genauso gr&uuml;ndlich Korrektur lesen wie jeden beliebigen Text. Denn guter Inhalt verdient gute Form. Und unser Vertrauen leidet unter schlampiger Verpackung. Ein Pl&auml;doyer, nicht nur f&uuml;r Sprachsensible.</strong></p>
<p>An einem sch&ouml;nen herbstlichen Wochenende fuhr ich durchs sch&ouml;ne Wispertal im Rheingau. &bdquo;Biker&rsquo;s Willkommen!&ldquo;&#160;&#8211; mit dieser Aufschrift wirbt dort ein Gasthof um Zweirad fahrende Besucher. Zwei Worte, vier Fehler. Inklusive des sogenannten Deppen-Apostrophs, der im Englischen den Genitiv kennzeichnet, im Deutschen hingegen nur einen Mangel an Kenntnissen desselben. Ich litt. </p>
<p class="gray"><img src="/images/Bikers-Willkommen2.jpg" alt="Wald-Gaststätte Wisper Park, Biker's Willkommen!" title="" style="margin-bottom: 4px; "/><br />Zwei W&ouml;rter, vier Fehler. Nach Duden w&auml;re richtig: &bdquo;Biker willkommen!&ldquo;</p>
<p>Die Deutsche Bank warb k&uuml;rzlich im Stil eines W&ouml;rterbuchs, mit Trenn&#8209; und Betonungshilfe, um den Mittelstand. Im Zentrum der Anzeige: die Vokabel &bdquo;Fi|n<u>a</u>n|zu|gang&ldquo;. Wer auch immer das &bdquo;z&ldquo; vergessen hat: Ich beneide ihn nicht.</p>
<p><img src="/images/Finanzugang2.jpg" alt="Was braucht der Mittelstand für neues Wachstum? Finanzugang. - Anzeige der Deutschen Bank, hier aus der Welt am Sonntag Nr. 44 vom 01.11.2009, Seite 37." title="" /></p>
<p>Der Focus berichtete &uuml;ber die Zahlen des um Porsche gewachsenen VW-Konzerns. F&uuml;r Skoda wurden 62.600 Fahrzeuge und 8 Milliarden Euro Umsatz angegeben. Einem Leser fiel es auf: Das konnte nicht stimmen. Trotz billigerer Fahrzeuge machte Skoda mit weniger Autos mehr Umsatz als Porsche. Der Focus gab dem Leser Recht. Die Zahlen waren falsch, es fehlte eine Null. Skoda baut 626.000 Autos.</p>
<p class="gray"><img src="/images/Skoda-Porsche.jpg" alt="Skoda: 8 Mrd. Euro Umsatz, 62.600 Fahrzeuge pro Jahr; Porsche: 7,47 Mrd. Euro Umsatz, 98.700 Fahrzeuge pro Jahr. - Quelle: Focus 31/2009, Seite 25." title="" style="margin-bottom: 4px;" /><br />Quelle: Focus 31/2009, Seite 25.</p>
<p>Die WamS brachte k&uuml;rzlich <a href="http://blog.bissantz.de/images/Entwicklungshilfe_Ghana_Malaysia_WAMS_40_04.10.2009_S._50.jpg">zwei gute Diagramme</a> zum Thema Entwicklungshilfe f&uuml;r Ghana und Malaysia. Ein kleines Missgeschick sorgte daf&uuml;r, dass zwar der Hinweis auf die Quelle mit &bdquo;Quelle:&ldquo; gegeben wurde, diese aber fehlte.</p>
<p>All das h&auml;tte besser jemand Korrektur lesen sollen. Jeder Text, jedes Diagramm hat das verdient. Denn die Unterstellung lautet: Wo kleine Fehler sind, sind auch gro&szlig;e. Auch die beste Datendarstellung wird daher durch Fehler in &Uuml;berschrift, Legende, Kommentar leiden.</p>
<p>Mancher legt als Pedanterie aus, was uns Sprachpedanten nur h&ouml;flich erscheint. Konventionen helfen, sich richtig zu verstehen. Auch der pragmatische Sprachgrobian muss einsehen: Formal korrekt zu sein, ist gutes Marketing f&uuml;r unsere Berichte. Wer soll unsere Botschaft ernst nehmen, wenn wir selbst zu faul waren, sie noch einmal gr&uuml;ndlich zu lesen?</p>
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		<title>Zu Deinem Bild sag 1.000 Worte</title>
		<link>http://blog.bissantz.de/napoleon</link>
		<comments>http://blog.bissantz.de/napoleon#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 16 Oct 2009 12:04:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Nicolas Bissantz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Business Intelligence]]></category>
		<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[Darstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Diagramme]]></category>
		<category><![CDATA[Grafik]]></category>
		<category><![CDATA[Minard]]></category>
		<category><![CDATA[Napoleons Russlandfeldzug]]></category>
		<category><![CDATA[Schlacht]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Temperaturskala]]></category>

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		<description><![CDATA[Die berühmte Grafik von Minard zum Russlandfeldzug von Napoleon erzählt eindringlich die Geschichte eines Desasters. Wie alle Grafiken kann sie nur einen Ausschnitt der Geschehnisse einfangen. Was man dagegen tun kann.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dass Bilder mehr als 1.000 Worte sagen, belegt vor allem die manipulative Kraft des Bildes. F&uuml;r Diagramme hei&szlig;t das nichts. Im Gegenteil: Wir spendieren besser ein paar Worte, damit wir &uuml;berhaupt verstanden werden.</strong></p>
<p>Napoleons Russlandfeldzug war eine Katastrophe: Mit 422.000 Mann war er im Juni 1812 gestartet, mit weniger als 10.000 Soldaten kam er am 07.10.1813 zur&uuml;ck. Zwei Wochen nach Beginn der Kampagne hatte die Armee bereits 135.000 Soldaten verloren &ndash; ohne dass es bis dahin zu gr&ouml;&szlig;eren Kampfhandlungen gekommen w&auml;re. Napoleon wollte seine Truppen beim Vormarsch aus dem Land ern&auml;hren, aber der Gegner hinterlie&szlig; &bdquo;verbrannte Erde&ldquo;. Es fehlte an Branntwein zur Wasserdesinfizierung. Die Ruhr brach aus. Krankheit, Entkr&auml;ftung und Desertion dezimierten die Truppen bis zu einer St&auml;rke von 175.000 Mann, noch bevor es am 17. August zur Schlacht um Smolensk kam. Moskau erreichte Napoleon mit 100.000 Soldaten. Zwei Drittel der Hauptarmee waren verloren. Hinzu kamen hohe Verluste an Pferden.</p>
<p CLASS="sample olimg" style="margin-leftr: "><a ONCLICK="var win = onw('http://blog.bissantz.de/images/minard_lg.gif', 'Minard', 1040, 500); win.focus(); return false;" HREF="http://blog.bissantz.de/images/minard_lg.gif"><img SRC="/images/Minard1869.png" /></a><br />
<span CLASS="gray" style="margin-left: 0; padding-left: 0;">Ohne Zweifel ein grafischer Meilenstein: So zeigte der Ingenieur Charles Joseph Minard 1869 die Daten von Napoleons desastr&ouml;sem Russlandfeldzug 1812/1813. Ohne Erl&auml;uterung aber ist sie weniger Analyse und mehr Appell.<br />
Zum Vergr&ouml;&szlig;ern auf das Bild klicken.</span></li>
</p>
<p>Auf dem R&uuml;ckzug wurde Napoleons Armee immer wieder in K&auml;mpfe verwickelt. Es fehlten Pferde, um die Lasten zu ziehen. Die Soldaten verbrannten ihre Fuhrwerke, machten die Kanonen unbrauchbar und lie&szlig;en sie zur&uuml;ck. Der Winter brach ein. Es gab keine warme Kleidung. Die Pferde waren falsch beschlagen. Die Unf&auml;lle h&auml;uften sich auf den glatten Wegen. Selbst die mitgef&uuml;hrten Pontons zum Br&uuml;ckenbau wurden verbrannt, wenige Tage, bevor man den Fluss Beresina erreichte. Die hygienischen Verh&auml;ltnisse waren katastrophal. L&auml;use &uuml;bertrugen Typhus und Fieber. Weniger als 10.000 Mann brachte Napoleon heim.</p>
<p>Das waren 203 Worte. </p>
<p>Die Grafik von Minard beschreibt das Desaster ebenfalls. Wir sehen die Truppenst&auml;rke zu jedem Zeitpunkt des Feldzugs, Ort und Richtung der Kampagne auf einer zweidimensionalen Karte, sowie am unteren Ende des Bildes eine Temperaturskala. Die Darstellung ist ein viel zitiertes Meisterwerk. Steht sie allein, l&auml;sst sich vieles daraus ablesen, aber auch hineingeheimsen. Die Temperaturskala kann zu der Annahme verf&uuml;hren, der ber&uuml;chtigte russische Winter h&auml;tte Napoleon besiegt. Das aber ist nur ein Teil der Wahrheit. Ich habe der Grafik 203 Worte spendiert. Nach meinem Geschmack immer noch viel zu wenig. Aber sie haben der Grafik gut getan und die Umst&auml;nde weiter erhellt.</p>
<p>Napoleon ist an vielem gescheitert. Das wenigste davon l&auml;sst sich in einer Grafik fassen. Und ebendas ist die Erkenntnis. Unsere Welt ist schwierig und sch&ouml;n, komplex und bunt. Grafiken, so wichtig sie in der Welt der Abstraktion sind, k&ouml;nnen davon nur einen Ausschnitt einfangen. Die Sprache bietet das n&ouml;tige Mittel, unsere grafische Argumentation geeignet zu erg&auml;nzen. Daher: Wer malt, muss auch schreiben.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>In trockene T&#252;cher gemei&#223;elt</title>
		<link>http://blog.bissantz.de/buerojargon1</link>
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		<pubDate>Fri, 18 Sep 2009 07:53:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Nicolas Bissantz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Business Intelligence]]></category>
		<category><![CDATA[Bericht]]></category>
		<category><![CDATA[Berichtswesen]]></category>
		<category><![CDATA[Controller]]></category>
		<category><![CDATA[Controlling]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Politiker wie Controller brauchen Partner, Helfer, Mitstreiter, wollen sie nicht nur untersuchen und feststellen, sondern handeln und ändern. Die zu finden und zu überzeugen, ist nicht nur eine Sache der Zahlen, sondern auch ihrer Vermittlung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In Wahlkampfzeiten wird uns wieder bewusst: Politik und Phrasen geh&ouml;ren zusammen. Auch Controlling kann Politik sein. Trotzdem wollen wir das Phrasenhafte vermeiden. Ein kleiner Sprachratgeber.</strong></p>
<p>Politiker wie Controller brauchen Partner, Helfer, Mitstreiter, wollen sie nicht nur untersuchen und feststellen, sondern handeln und &auml;ndern. Die zu finden und zu &uuml;berzeugen, ist nicht nur eine Sache der Zahlen, sondern auch ihrer Vermittlung. Damit sind wir beim Thema: Die gleiche Sorgfalt, die wir auf unsere Daten anwenden, brauchen wir auch f&uuml;r die Sprache, mit der wir sie berichten. Ich versuche mich heute an einem kleinen Sprachratgeber.</p>
<p class="gray"><img src="/images/Seehofer-Quelle_merkur-online.jpg" alt="Martin Zeil (FDP): 'Westerwelle hat Verständnis für uns'. Quelle: merkur-online.de, 03.07.2009." title="" style="margin-bottom: 4px;"/><br />Anl&auml;sslich der vermeintlichen Rettungsaktion bei Quelle wurde viel &uuml;ber trockene T&uuml;cher gesprochen. Es ging aber nicht um T&uuml;cher.<br />Foto: <a href="http://www.merkur-online.de/nachrichten/wirtschaft/westerwelle-verstaendnis-uns-381042.html" target="_blank">merkur-online.de</a>, 03.07.2009.</p>
<p><strong>Angedacht</strong><br />Wir sollten es vermeiden, etwas <em>anzudenken</em> oder zu fragen, ob jemand etwas schon <em>angedacht</em> habe. Das erinnert an die Zeiten der DDR-Diktatur. Wer etwas nur <em>andachte</em>, konnte sich davon sofort wieder distanzieren. Eine Sicherheitsma&szlig;nahme in unsicheren Zeiten. Inzwischen k&ouml;nnen wir ungef&auml;hrdet alles von allen Seiten betrachten, erw&auml;gen, durchdenken, beleuchten, untersuchen, analysieren, darin etwas entdecken oder eben feststellen. Wir k&ouml;nnen sogar etwas planen, organisieren, vorbereiten, konzipieren.</p>
<p><strong>Commiten, im Doing, delivern, executen, umswitchen</strong><br / >&Uuml;ber Denglisch wird viel geschrieben. Dem ist wenig hinzuzuf&uuml;gen. Ein befreundeter Vertriebsleiter sagte einmal zu mir: &bdquo;Die Sache ist on hold, wir wissen nicht, ob wir &uuml;berhaupt delivern k&ouml;nnen, im Executen haben wir noch Nachholbedarf&ldquo;. Der Mann ist &Ouml;sterreicher und sprach den Satz obendrein in liebensw&uuml;rdigstem Wienerisch.</p>
<p><strong>Einstielen, aufsetzen, aufgleisen, ausrollen, eint&uuml;ten</strong><br />Viele neudeutsche Verben strotzen nur so vor Tatendrang und sind nachgerade heroisch. Ernst gemeint, ist ihr Mangel an Pr&auml;zision verzeihlich. H&ouml;rt man sie zu oft und passiert dann nichts, wird man misstrauisch. </p>
<p><strong>Platzieren, eng mitf&uuml;hren, zeitnah</strong><br /> Bei manchen Worten ist fehlende Genauigkeit &auml;rgerlich. Was genau ist geschehen, wenn der Au&szlig;endienst ein Produkt <em>platziert</em> hat? Wurde es nur erw&auml;hnt, vorgef&uuml;hrt, angeboten oder gar bestellt? Wann soll etwas passieren? Fault etwas in einer Liste unerledigter Aufgaben bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag vor sich hin oder gibt es einen Termin? Hat man etwas delegiert oder selbst in die Hand genommen? Jede Organisation ist auf ein Mindestma&szlig; an Verbindlichkeit angewiesen.</p>
<p>F&uuml;r die Sprache gilt &Auml;hnliches wie f&uuml;r gutes Business Intelligence: <a href="http://blog.bissantz.de/bi20">ernsthaft, sachlich, bescheiden</a> soll sie sein. In zwei Wochen mehr davon.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Sprachlos statt zahllos</title>
		<link>http://blog.bissantz.de/attribuierung</link>
		<comments>http://blog.bissantz.de/attribuierung#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 24 Jul 2009 16:33:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Nicolas Bissantz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Business Intelligence]]></category>
		<category><![CDATA[Handelsblatt]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.bissantz.de/?p=2066</guid>
		<description><![CDATA[Wie formulieren wir richtig, wenn es um Zahlen geht? Dürfen sie einbrechen, zu Tal fahren, explodieren? Ich finde: Nein. Die optimale Anzahl von wertenden Adjektiven, Superlativen und polemischen Formulierungen ist Null. Denn wir können immer die Zahl nennen, die wir meinen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die optimale Anzahl von Attributen im Berichtswesen ist null. Zumindest dann, wenn sie wertend sind, ein Superlativ oder polemisch. Das ist schneller der Fall, als man denkt.</strong></p>
<p>Neben der routinem&auml;&szlig;igen Berichterstattung f&uuml;hlt sich das moderne Controlling aufgefordert, dem Management auch beratend zur Seite zu stehen. Die Folge sind individuelle Berichte, die den Chartb&auml;nden der gro&szlig;en Strategieberatungen &auml;hnlich sind. Sie tragen einen &bdquo;Action Title&ldquo;, der eine Bewertung, eine Warnung, eine Schlussfolgerung oder eine Handlungs&shy;empfehlung beinhalten sollte. Denn nur dann wird die Folie als Beratung verstanden. Der eigentliche Inhalt des Reports dient dann der Beweisf&uuml;hrung und untermauert, was in der &Uuml;berschrift zu lesen war. Sp&auml;testens in einem solchen Szenario stellen sich dem Controlling Fragen zur Sprache. Darf, soll, muss eine Zahl von einem wertenden Attribut begleitet werden? Immerhin hat Beratung auch mit Urteil und damit Wertung zu tun.</p>
<table style="margin-left: 20px; margin-bottom: 8px;">
<tr>
<td>Attribuierung</td>
<td>Zahl</td>
<td>Quelle</td>
</tr>
<tr>
<td>&bdquo;Gewinn bricht ein&ldquo;</td>
<td style="text-align: right;">-71,4&#160;%</td>
<td class="gray">[1], S.&#160;21</td>
</tr>
<tr>
<td>&bdquo;Gewinn stark gesunken&ldquo;</td>
<td style="text-align: right;">-32&#160;%</td>
<td class="gray">[2], S.&#160;18</td>
</tr>
<tr>
<td>&bdquo;Gewinn sinkt deutlich&ldquo;</td>
<td style="text-align: right;">-32&#160;%</td>
<td class="gray">[2], S.&#160;18</td>
</tr>
<tr>
<td>&bdquo;Gewinn deutlich zur&uuml;ckgegangen&ldquo;</td>
<td style="text-align: right;">-14&#160;%</td>
<td class="gray">[1], S.&#160;17</td>
</tr>
<tr>
<td>&bdquo;Umsatz auf Talfahrt&ldquo;</td>
<td style="text-align: right;">-12&#160;%</td>
<td class="gray">[2], S.&#160;18</td>
</tr>
<tr>
<td>&bdquo;beispielloser Absturz der Steuereinnahmen&ldquo;</td>
<td style="text-align: right;">-8,8&#160;%</td>
<td class="gray">[3], S.&#160;3</td>
</tr>
<tr>
<td>&bdquo;Aktie mit sattem Plus&ldquo;</td>
<td style="text-align: right;">+8&#160;%</td>
<td class="gray">[2], S.&#160;14</td>
</tr>
<tr>
<td>&bdquo;ansehnliches Quartalsergebnis&ldquo;</td>
<td style="text-align: right;">+29&#160;%</td>
<td class="gray">[2], S.&#160;21</td>
</tr>
</table>
<p class="gray">So wertet die Wirtschaftspresse &ndash; wollen wir das? Im Controlling auf keinen Fall. (Quellen: [1] S&uuml;ddeutsche Zeitung vom 24.07.2009, [2] Handelsblatt vom 24.07.2009, [3] Handelsblatt vom 13.07.2009.)</p>
<p>Ein Blick in die Tageszeitungen von heute (24. Juli 2009) best&auml;tigt einmal mehr: Die Presse beantwortet diese Frage regelm&auml;&szlig;ig mit Ja. Und setzt sich damit ebenso regelm&auml;&szlig;ig dem Vorwurf aus, die Auflage und nicht die sachliche Information im Blick zu haben. Heute wird wieder kollabiert, zu Tal gefahren, frei gefallen, dramatisch gesunken, beispiellos abgest&uuml;rzt. Positives hingegen wird zur&uuml;ckhaltend kommentiert.</p>
<p>Schon vor gut einer Woche lie&szlig; mich diese &Uuml;berschrift stutzen: &bdquo;Steuereinnahmen kollabieren&ldquo; (Handelsblatt Nr.&#160;131, 13.07.2009, S.&#160;3). Im Artikel war zu lesen, dass der Finanzminister und seine L&auml;nderkollegen im Juni einen &bdquo;beispiellosen Absturz&ldquo; ihrer Einnahmen erleben: &bdquo;Im abgelaufenen Monat nahm der Staat 8,8&#160;% weniger Steuern ein.&ldquo; Na ja, wie die beistehende Grafik dann zeigte, liegt die Steuersch&auml;tzung f&uuml;r 2009 auf einem Niveau zwischen 2006 und 2007, beides eher starke Jahre. Ein Kollaps ist eine ernste Sache. Der Kreislauf bricht zusammen. Man f&auml;llt in Ohnmacht und braucht schnell einen Arzt. Ob das bei rund 9&#160;% geringeren Steuereinnahmen der Fall ist?</p>
<p>&Auml;rzte &uuml;brigens haben ein &auml;hnliches Problem wie wir. Auch sie attribuieren. F&uuml;r die Beipackzettel von Medikamenten ist das amtlich festgelegt. Das numerische Risiko von Nebenwirkungen wird wie folgt codiert. Wird es dadurch klarer? Ich finde, ganz im Gegenteil.</p>
<table style="margin-left: 20px; margin-bottom: 8px;">
<tr>
<td>Sehr h&auml;ufig</td>
<td>Mehr als 1 Behandelter von 10</td>
</tr>
<tr>
<td>H&auml;ufig</td>
<td>1 bis 10 Behandelte von 100</td>
</tr>
<tr>
<td style="padding-right: 10px;">Gelegentlich</td>
<td>1 bis 10 Behandelte von 1.000</td>
</tr>
<tr>
<td>Selten</td>
<td>1 bis 10 Behandelte von 10.000</td>
</tr>
<tr>
<td>Sehr selten</td>
<td>Weniger als 1 Behandelter von 10.000</td>
</tr>
</table>
<p class="gray">So <a href="http://www.bfarm.de/cln_012/nn_424304/SharedDocs/FAQ/DE/Arzneimittel/pal/ja-ampal-faq.html" target="_blank">wertet</a> das Bundesinstitut f&uuml;r Arzneimittel und Medizinprodukte&#160;&#8211;  auch darauf k&ouml;nnten wir verzichten.</p>
<p>Wie halten wir es nun im Controlling? Ich finde, es geht uns &auml;hnlich wie beim Studium des Beipackzettels. Welche Vorstellung haben wir, wenn von sehr h&auml;ufig, h&auml;ufig, gelegentlich, selten, sehr selten die Rede ist? Welcher Vorteil ergibt sich daraus, nicht die bekannte und belegbare Zahl zu nennen? Ebenso verh&auml;lt es sich, wenn etwas stark, deutlich, erheblich, entscheidend, signifikant, gewaltig, dramatisch, explosionsartig, beispiellos steigt oder f&auml;llt. Es ist ja gerade der Luxus des Controlling, &uuml;ber konkrete Zahlen zu verf&uuml;gen, wo andere nur mutma&szlig;en m&uuml;ssen. Wenn von 30&#160;% Prozent Ver&auml;nderung berichtet wird, verstehen wir alle dasselbe darunter. Das ist bei wertenden Attributen nachgerade nicht so. Die Leistung des Controllers besteht darin, das N&ouml;tige zusammenzutragen und sicherzustellen, dass die Verifikation auch dem Leser gelingt. </p>
<p>Dieser Auffassung mag auch der Chef von TAG Heuer gewesen sein. In einem Interview wehrte sich Jean-Christophe Babin gegen die schnodderige Unterstellung, seine Branche habe zuletzt &#8222;immer weniger Kunden &uuml;berzeugen&#8220; k&ouml;nnen&#160;&#8211; mit Zahlen:</p>
<blockquote><p>Sie kennen die Statistiken des Schweizer Uhrenexports. Es geht ja noch. Minus 30 Prozent hei&szlig;t in unserer Branche: Wir sind wieder auf dem Niveau von 2006, und das war ein Jahr, in dem es der Branche sehr gut ging.</p></blockquote>
<p>Fazit: Wer seine Fakten beisammen hat und sie zu interpretieren wei&szlig;, der nennt seine Zahlen und ersetzt sie nicht durch Polemik.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Tod dem Dekogramm</title>
		<link>http://blog.bissantz.de/dekogramm</link>
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		<pubDate>Fri, 25 Jul 2008 15:26:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Nicolas Bissantz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Business Intelligence]]></category>
		<category><![CDATA[Achsen abschneiden]]></category>
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		<description><![CDATA[Von der Business-Grafik haben wir uns schon verabschiedet, jetzt ist das Dekogramm dran. Die Lektüre von Spiegel, Focus und Co. liefert uns die Gründe dafür.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seine Liebhaber nennen es euphemistisch Infografik. Von guter Grafik, geschweige denn Information fehlt aber meist jede Spur. Ich nenne es Dekogramm und w&uuml;nsche ihm die vollst&auml;ndige Ausrottung.</strong></p>
<p><a href="http://blog.bissantz.de/heilige-kuh">Letztes Mal</a> waren wir so verblieben, dass Informationskultur von den Konsumenten ebenso eingefordert wie von den Produzenten bereitgestellt werden muss. Fangen wir gleich damit an: <strong>Wir wollen keine Infografiken mehr sehen!</strong></p>
<p class="gray"><img src="/images/globus_2.gif" alt="Infografik" /><br />
Mit diesem und anderen Beispielen <a href="http://www.globus-infografik.de/produkte_globus.htm" target="_blank">wirbt</a> die dpa f&uuml;r die Dienste ihrer Tochter dpa-infografik. Spiralf&ouml;rmige Anordnung, wachsende Wappen, die Spirale selbst&#160;&#8211; alles steht dem raschen Verst&auml;ndnis des Zahlenvergleichs im Weg.</p>
<p>Zuerst die gute Nachricht: Man findet sie, wo man hinsieht, aber sie dominieren die grafische Darstellung nicht (mehr). In einer Stichprobe mit Capital, Focus, FTD, Neue Z&uuml;rcher Zeitung, Spiegel, S&uuml;ddeutsche Zeitung und WAMS fand ich die meisten Beispiele noch in Spiegel und Focus. In der Capital fand ich gerade mal eines, in der NZZ gar keins.</p>
<p>Dennoch, aus zwei Gr&uuml;nden, weg damit: Wo offen <a href="http://www.auergrafik.com/index.php?action=file&amp;name=wozu" target="_blank">&uuml;ber den Zweck r&auml;soniert wird</a>, bleiben wenig Zweifel, worum es geht. Der Leser soll emotionalisiert, die Botschaft soll ihm verkauft werden.</p>
<blockquote><p>Die Infografik &bdquo;verschafft uns einen sinnlichen Zugang in die Herzen der Leserinnen und Leser, weil sie mit Symbolen und leicht fa&szlig;lichen Illustrationen f&uuml;r die Aussage emotionalisiert werden, z.&#160;B. Wohnbau geht zur&uuml;ck&#160;&#8211; traurige Familie.&ldquo;<br />
<a href="http://www.auergrafik.com/index.php?action=file&amp;name=wozu" target="_blank">Quelle: www.infografik.at</a></p></blockquote>
<p>Daf&uuml;r haben wir keinen Bedarf. Und sp&auml;testens ab jetzt sehen wir &uuml;ber jeder Infografik die Warnlampe Manipulation leuchten.</p>
<p>Der zweite Grund ist das kapitale Missverst&auml;ndnis, dem auch Infografiker ohne manipulative Absicht unterliegen. Dekoration verbessert Lesbarkeit und Verst&auml;ndnis nicht, wie die Szene annimmt, sondern verschlechtert sie, oft total. Selbst wenn die dekorativen Elemente die Daten nicht verzerren, was h&auml;ufig der Fall ist, muss das Auge all den Firlefanz ausfiltern, bevor es die eigentliche Information, den Wertvergleich, aufnehmen kann. Der Effekt ist so einfach nachzuvollziehen, wie er erfolgreich ignoriert wird. In Zukunft jedenfalls gibt es f&uuml;r die Verwendung von Dekogrammen reichlich Minuspunkte:</p>
<p><strong>1. Der Seitenf&uuml;ller (10 Minuspunkte)</strong><br />
Das ist die harmlose Variante des Dekogramms. Die Zahlen sind immerhin durch die Dekoration nicht verzerrt. Die Darstellung ist lediglich trivial. So wie der Inhalt auch. Drei Zahlen ohne Vergangenheit, ohne zeitliche Entwicklung, ohne Vergleich mit anderen L&auml;ndern. Krawatte, Titel, Zahlenhintergrund alles rot. Dieses Diagramm signalisiert, was es ist: Ignorier mich, ich bin nur nett anzusehen.</p>
<p class="gray" style="height: 331px;"><img style="float: left; margin-right: 8px;" src="/images/nervensache_2.png" alt="Nervensache" />Ein harmloses Diagramm vom Typus Seitenf&uuml;ller. Es tut nicht weh und kann ohne Schaden ignoriert werden. Quelle: Focus, Heft 29/2008, 14.07.2008, S.&#160;106.</p>
<p><strong>2. Der Murks (20 Minuspunkte)</strong><br />
Hier wurde das Dekoelement vor die Information gestellt. Man wei&szlig; nicht sicher, wo der rote Balken enden soll, und der L&auml;ngenunterschied wird durch die Trapezform des Pokalfu&szlig;es optisch gespreizt. Da die Information trivial ist und die Zahlenwerte das Auge gut erreichen, geht das noch als Ungeschicklichkeit durch.</p>
<p class="gray" style="height: 259px;"><img style="float: left; margin-right: 8px;" src="/images/traum_spiegel_242008_090608_s18_verkleinert.png" alt="Traum vom Titel" />Vom Typus Murks: Hier braucht es ein Lineal um festzustellen, wo der rote Balken enden soll&#160;&#8211; an der rechten oberen Ecke. Quelle: Der Spiegel, Heft 24/2008, 09.06.2008, S.&#160;18.</p>
<p><strong>3. Verhinderter Neurath (30 Minuspunkte)</strong><br />
Otto Neurath, dem Pionier der Bildsprache, verdanken wir die Idee, Zahlen anschaulich mit Hilfe von Piktogrammen darzustellen. Wenn es aber schief geht, irren die Augen hilflos hin und her, um ein paar Zahlen zu finden und zuzuordnen. Meistens geht es schief. Fl&auml;chige Repr&auml;sentationen sind immer problematisch. Flaggen zu verdehnen ist am Rande des guten Geschmacks.</p>
<div style="margin-bottom: 8px;"><img style="margin-top: 12px; float: right;" src="/images/t-mobile_2.png" alt="T-Mobile" /><img style="margin: 0 50px 4px 0;" src="/images/thyssenkrupp_2.png" alt="ThyssenKrupp" /></div>
<p class="gray">Gute Symbolik hilft. Schlechte strengt an. Von Fl&auml;chen und Flaggen sollte man besser die Finger lassen, sonst wird man doppelt missverstanden. Quelle: Der Spiegel, Heft 29/2008, 21.07.2008, S.&#160;69 und S.&#160;65.</p>
<p class="gray" style="margin: 16px 0 24px 0;"><img style="margin-bottom: 8px;" src="/images/Thyssen%20-%20Grafische%20Tabelle.png" alt="ThyssenKrupp, Grafische Tabelle" /><br />
So h&auml;tten die Daten f&uuml;r ThyssenKrupp ausgesehen.</p>
<p class="gray"><img style="margin-bottom: 8px;" src="/images/T-Mobile%20-%20Grafische%20Tabelle.png" alt="T-Mobile, Grafische Tabelle" /><br />
Und so die f&uuml;r T-Mobile. Was passiert? Man interessiert sich f&uuml;r die Zahlen.</p>
<p><strong>4. Der F&auml;lscher (70 Minuspunkte)</strong><br />
Der verhinderte Neurath l&auml;sst sich steigern. Das Auge nimmt hier Fl&auml;chen wahr, ist darin nicht besonders gut, <a href="http://www.bella-beraet.de/torten-wahnsinn">wie wir wissen</a>, und irrt selbst dann noch. Die Idee des Grafikers ist hier in der Tat, Flaschen zu z&auml;hlen. Der Unterschied zwischen 2006 und 2007 ist fast 300&#160;%, die Fl&auml;che hat sich aber nur verdoppelt.</p>
<div><img style="margin-right: 80px;" src="/images/bionade_2.png" alt="Bionade" /><img src="/images/Bionade_Redesign.png" alt="Bionade" /></div>
<p class="gray">Nur wer die Flaschen z&auml;hlt, wird schlau aus dieser Grafik der Welt am Sonntag (Nr.&#160;26/2008, 29.06.08, S.&#160;34). Der Fl&auml;cheneindruck tr&uuml;gt n&auml;mlich gewaltig, wie <a href="http://www.bella-beraet.de/">Bellas</a> Redesign rechts zeigt.</p>
<p><strong>5. Der Manipulator (100 Minuspunkte)</strong><br />
So harmlos sie aussieht, so faustdick hat es diese Grafik hinter den Pixeln. Das dekorative Elemente verdeckt nichts und verzerrt nichts. Viel schlimmer, es hilft die eigentliche T&auml;uschung zu verbergen. Man ist versucht, ein Spendenkonto f&uuml;r die Musikindustrie einzurichten. Der Trick hat wie so oft mit <a href="http://blog.bissantz.de/pimpcharts">abgeschnittenen Achsen</a> zu tun. Eine faire Darstellung der Wertver&auml;nderung von 25&#160;% w&uuml;rde das Gef&auml;lle der Zeitreihe hier so w&auml;hlen, dass die H&ouml;henver&auml;nderung etwa ein Viertel der L&auml;ngenver&auml;nderung betr&auml;gt. Hier sind es aber fast 100&#160;%. Das Gef&auml;lle wird daher dramatisiert. Der entscheidende Effekt ist aber nochmals an anderer Stelle zu finden. Der Endwert liegt nahe der X-Achse, also entsprechend unseren Sehgewohnheiten nahe an der Nulllinie. Die quer gesetzte Textzeile mit der Quellenangabe r&uuml;ckt die Nullinie optisch noch weiter an die Linie heran. Diese Grafik schreit uns entgegen: Der Umsatz mit Tontr&auml;gern ist abgest&uuml;rzt auf nahe null.</p>
<p class="gray" style="height: 243px;"><img style="float: left; margin-right: 8px;" src="/images/dur-moll_2.png" alt="Umsatz mit Tonträgern" />Sieht harmlos aus, ist aber ein Vertreter vom gef&auml;hrlichen Typus Manipulator. Quelle: Der Spiegel, Heft 29/2008, 21.07.08, S.&#160;98.</p>
<p>Dass es auch ohne Murks und Manipulation geht und dass das die Leser trotzdem und deswegen fesselt, zeigen Beispiele aus den oben zitierten und anderen Quellen. Ein Vergleich der Fu&szlig;ballstars Diego und Franck Rib&eacute;ry kommt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung als schlichte Tabelle daher. Warum auch nicht?</p>
<p class="gray" style="height: 370px;"><a href="http://blog.bissantz.de/images/diego_fas6_160208_s15_450.png"><img style="float: left; margin-right: 8px;" src="/images/diego-ribery_2.png" alt="Diego vs. Ribery" /></a>Zahlen sind spannend, wenn sie uns etwas bedeuten. Dann entscheidet nur noch die Ablesbarkeit dar&uuml;ber, wie schnell wir sie verstehen. Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Heft 6/2008, 10.02.2008, S.&#160;15.</p>
<p>Generell werden Diagramme schlichter, die Pixel werden den Daten und nicht der Dekoration gewidmet. Viele Grafiken in der Capital sind besonders nah an meinem pers&ouml;nlichen Ideal der <a href="http://blog.bissantz.de/grafische-tabellen">Grafischen Tabelle</a>. Dort sind selbst die Balken nicht mehr h&ouml;her als der Text.</p>
<p><a href="http://blog.bissantz.de/images/Geld_macht_gluecklich.jpg"><img src="/images/GeldMacht_capital.png" alt="Geld macht glücklich" /></a></p>
<p class="gray">Frei von Dekoration und Firlefanz, die Botschaft klar formuliert, selbst die Balken sind von wortgrafischer Qualit&auml;t. Quelle: Capital 10/2008, S.&#160;46.</p>
<p>Wir jedenfalls tun zweierlei: Dekogramme in Managementreports, Gesch&auml;ftsberichten, internen Befragungen, Memos kommen nicht infrage, es sei denn, man will seiner Karriere ein fr&uuml;hes Ende bereiten. In Magazinen, Zeitungen, Zeitschriften werden wir die Nase r&uuml;mpfen und immer gleich vermuten, dass uns da einer verladen will oder schlampig war. Wir werden meistens recht behalten.</p>
<p>Und wenn uns jemand fragt, was denn eine echte Infografik sei, dann zeigen wir auf die hier:</p>
<p><a href="http://blog.bissantz.de/images/Maeusebussarde_950.png"><img src="/images/Maeusebussarde_450.png" alt="Greifvögel" /></a></p>
<p class="gray">Jedes einzelne Pixel tr&auml;gt Information&#160;&#8211; das Optimum einer Infografik. Quelle: Welt am Sonntag, Nr.&#160;27/2008, 06.07.2008, S.&#160;66.</p>
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		<title>Der siebte Dan: Daten in S&#228;tzen</title>
		<link>http://blog.bissantz.de/peter-singer</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Jun 2008 13:55:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Nicolas Bissantz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wer sich in der Darstellung von Tabellen und Grafiken bereits gewappnet fühlt, findet in der verbalen Darstellung von Daten die nächste angemessene Herausforderung. Wie der Bioethiker Peter Singer seine Anliegen belegt, ist dafür ein gutes Beispiel.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wer sich in der Darstellung von Tabellen und Grafiken bereits gewappnet f&uuml;hlt, findet in der verbalen Darstellung von Daten die n&auml;chste angemessene Herausforderung. Wie der Bioethiker Peter Singer seine Anliegen belegt, ist daf&uuml;r ein gutes Beispiel.</strong></p>
<p>Das Sch&ouml;ne an Regeln sind ihre Ausnahmen. Eine meiner Regeln: Daten geh&ouml;ren in Tabellen, am besten in <a href="http://blog.bissantz.de/grafische-tabellen">Grafische Tabellen</a>. Eine Ausnahme, von der man lernen kann, fand ich in einem <a href="http://www.project-syndicate.org/commentary/singer35" target="_blank">Text von Peter Singer</a>. Singer ist Professor f&uuml;r Bioethik in Princeton und laut Time Magazine einer der 100 einflussreichsten Menschen der Erde.</p>
<p class="sample"><a onclick="return openPopup('/images/selbst_wer_1024.png', '');" href="images/selbst_wer_1024.png"><img src="/images/selbst_wer_450px_markiert.png" /></a><br />
<span class="gray" style="margin-left: 0pt; padding-left: 0pt">Daten in S&auml;tzen: Ein Text so zahlen&#8209; und datendicht wie nur wenige Grafiken (WAMS, 20.04.2008, S.&#160;13). Zum Vergr&ouml;&szlig;ern bitte anklicken.</span></p>
<p>Singers Text ist ein beeindruckendes Beispiel f&uuml;r seri&ouml;se analytische Beweisf&uuml;hrung, die Wirkung auf den Leser hat. Die Botschaft finden wir dort, wo sie hingeh&ouml;rt, schon im Titel. Sag, was Du sagen willst, und bringe dann Deine Belege. Singer beweist Distanz zu seinem Sujet, benennt die m&ouml;gliche Antithese, zeigt die Kriterien, an denen er den Gegenstand messen will, und beschreibt seine Quellen.</p>
<p>Dann l&auml;sst Singer eine rein verbale Tour de Force folgen, durch Umfrage&shy;ergebnisse von <a href="http://worldpublicopinion.org/pipa/articles/btjusticehuman_rightsra/460.php?lb=bthr&amp;pnt=460&amp;nid=&amp;id=amp;" target="_blank">WorldPublicOpinion.org</a> zum Thema Diskriminierung. Daten und Argumentation sind zu einer homogenen, kompakten Einheit verkn&uuml;pft. Die Details der Umfrage sind verbal komprimiert. Der folgende Satz ersetzt mit 20 Worten eine Stapelgrafik der <a href="http://worldpublicopinion.org/pipa/articles/btjusticehuman_rightsra/460.php?lb=bthr&amp;pnt=460&amp;nid=&amp;id=amp;" target="_blank">Originalerhebung</a> mit 48 Datenwerten.</p>
<blockquote><p>&bdquo;In elf L&auml;ndern glaubt die Mehrheit, dass im Laufe ihrer Lebenszeit Menschen anderer Rasse und ethnischer Herkunft fairer behandelt wurden.&ldquo;</p></blockquote>
<p>Im Vergleich sieht man: Die Wirkung der verbalen Darstellung von Daten ist gr&ouml;&szlig;er. Der Autor bezieht Position. Er w&auml;hlt aus und wertet f&uuml;r den Leser. Ein scharfes Schwert, im Guten wie im Schlechten. Singer wei&szlig; es zu f&uuml;hren. Wir anderen sollten erst &uuml;ben.</p>
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		</item>
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		<title>Vor allem zeig Deine Zahlen auch mal nicht</title>
		<link>http://blog.bissantz.de/le-mans</link>
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		<pubDate>Fri, 13 Jun 2008 15:01:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Nicolas Bissantz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zahlen sind ein Aspekt des Berichtens. Ohne die Zusammenhänge dahinter sehen wir nur soweit sie reichen. Das ist oft zu kurz. Was das mit dem Kampf zwischen Audi und Peugeot morgen in Le Mans zu tun hat.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zahlen sind ein Aspekt des Berichtens. Ohne die Zusammenh&auml;nge dahinter sehen wir nur soweit sie reichen. Das ist oft zu kurz. Was das mit dem Kampf zwischen Audi und Peugeot morgen in Le Mans zu tun hat. </strong></p>
<p>Die SportAuto haben <a href="http://www.bella-beraet.de/pimpcharts" target="_blank">Bella</a> und <a href="http://blog.bissantz.de/pimpcharts">ich</a> k&uuml;rzlich ob ihres Umgangs mit Zahlen und Grafiken durch den Kakao gezogen. Heute hat sie gro&szlig;es Lob verdient. Wurde mir doch eine alte Binsenweisheit des Controlling auf h&ouml;chst vergn&uuml;gliche Weise erneut vor Augen gef&uuml;hrt: <strong>Zahlen sind gut. Manchmal sind keine Zahlen besser.</strong> Immer dann n&auml;mlich, wenn sie Unterschiede nicht zu erkl&auml;ren verm&ouml;gen, auf die falsche Spur f&uuml;hren oder schlicht zu banal sind. Naturgem&auml;&szlig; glauben wir Zahlen sehr gerne. Ihre <a href="http://blog.bissantz.de/scheingenauigkeit">scheinbare Exaktheit</a> ist einfach zu verf&uuml;hrerisch. Diese Wirkung m&uuml;ssen wir wohldosiert nutzen. Das kann dazu f&uuml;hren, dass eine verantwortungsvolle Berichterstattung sie wegl&auml;sst oder zumindest nicht in den Mittelpunkt r&uuml;ckt oder die Argumentation darauf gr&uuml;ndet.</p>
<p><img src="http://blog.bissantz.de/images/uberwachung_monitoring_r10_450px1.png" alt="Überwachung Rennwagen" /><span class="gray" style="margin-left: 0pt; padding-left: 0pt"><br />Bevor man ab morgen die Performance-Zahlen in Le Mans versteht, muss man den Kontext im Detail kennen, dabei helfen Zahlen weniger als gedacht, Bild: Audi AG</span></p>
<p>Marcus Schurig von der SportAuto ist das vortrefflich gelungen (Heft 6/2008, S.&#160;114&#8211;121): Er fasste zusammen, was man f&uuml;r morgen wissen sollte. Morgen n&auml;mlich, am Samstag, den 14. Juni 2008, startet um 15:00&#160;Uhr das legend&auml;re 24-Stunden-Rennen in Le Mans. Anders als bei der noch andauernden Fu&szlig;ball-EM muss man ein Kenner sein, will man der prolongierten Kreisfahrt etwas abgewinnen.</p>
<p>Mein Aha-Erlebnis: Die Zahlen allein helfen dabei kaum weiter. Im Gegenteil. Anw&auml;rter auf den Gesamtsieg sind Audi und Peugeot. Die Daten, die ich aus dem Schwestermagazin Auto Motor Sport habe, zeigen: Sowohl der Audi R10 als auch der Peugeot 908 fahren mit einem 12-Zylinder-Dieselmotor. Beide sind 2&#160;m breit und 1&#160;m hoch, haben 81 Liter im Tank, wiegen 900&#160;kg, und sind mit 650 bis 700 PS und 1100 bis 1200 Nm Drehmoment &auml;hnlich stark. Beide haben 5500 ccm Hubraum. Beide arbeiten mit dem gleichen maximal erlaubten Ladedruck von 2,94 bar.</p>
<p>Dennoch sind sie ganz anders. Der Audi ist offen. Der Peugeot ist geschlossen. Der Peugeot ordnet alles der Performance auf der Stra&szlig;e unter. Sein geschlossenes Cockpit erlaubt eine bessere &Uuml;berstr&ouml;mung, sein flacher bauender Motor einen tieferen Schwerpunkt. Das offene Cockpit des Audi k&uuml;hlt die Fahrer besser. Es gibt keine Probleme mit der T&uuml;rsicherheit oder der Effizienz der Scheibenwischer. Der Fahrerwechsel gelingt weitaus einfacher und damit schneller. Peugeot arbeitet mit einem Fahrwerk, das sich weicher abstimmen l&auml;sst. Das verbessert die Traktion, reduziert den Reifenverschlei&szlig; und die Fahrer k&ouml;nnen h&auml;rter &uuml;ber die Abweiser fahren. Der Peugeot ist bei Sch&auml;den weniger servicefreundlich, der Audi ist zuverl&auml;ssiger.</p>
<p>Marcus Schurig hat konsequent auf Tabellen und Diagramme verzichtet. Stattdessen tr&auml;gt er feinsinnig alles zusammen, was Hinweise auf die Wirkung der Konzepte gibt. Er h&auml;lt sich an wesentliche Elemente jeder Analyse. Er sucht und vergleicht die Variablen, die eine Rolle spielen, vergleicht sie und stellt Hypothesen zu Ursache und Wirkung auf. Er ist dabei so findig, wie man sein muss, wenn Informationen nur unvollst&auml;ndig vorliegen, denn weder Audi noch Peugeot sind besonders redselig, was ihre Konzepte und Strategien angeht.</p>
<p>Und f&uuml;r uns Berichtemacher gilt: Mit den Zahlen ist es wie mit den Fahrern in Le Mans: Nur im Kontext entfaltet sich ihre Leistung.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Wenn schon analog, dann bitte digital</title>
		<link>http://blog.bissantz.de/cup-porsche</link>
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		<pubDate>Fri, 09 May 2008 11:23:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Nicolas Bissantz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Business Intelligence]]></category>
		<category><![CDATA[Bericht]]></category>
		<category><![CDATA[Berichtswesen]]></category>
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		<description><![CDATA[Betriebswirtschaftliche Kennzahlen sind Zahlen und keine Zeiger. Geschwindigkeit übrigens auch. Deswegen lesen Profis sie nur digital und nie analog ab. Was Informationsdesigner von den Instrumenten im Cup-Porsche lernen können.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Betriebswirtschaftliche Kennzahlen sind Zahlen und keine Zeiger. Geschwindigkeit &uuml;brigens auch. Deswegen lesen Profis sie nur digital und nie analog ab.</strong></p>
<p>Eine Analogie, so sagt das Fremdw&ouml;rterbuch, ist eine Entsprechung, &Auml;hnlichkeit, Gleichartigkeit. Von Analogien l&auml;sst sich immer wieder lernen. K&uuml;rzlich haben mich die Fortschritte in der Produktion hier fragen lassen, ob und wie wir mehr <a href="http://blog.bissantz.de/bi-robot">Automation und Wirtschaftlichkeit </a>ins Controlling bringen.</p>
<p>Autofahrer, Piloten, Astronauten, Lokf&uuml;hrer und Manager lesen Instrumente ab. Die angezeigten Werte sollen verraten, wie es um Auto, Jet, Raumschiff, Lok und Betrieb bestellt ist. Es liegt nahe, Erfahrungen aus dem einen im anderen Bereich zu nutzen. Dabei gilt es genau hinzusehen. Selten sind die Bedingungen so &auml;hnlich, dass eine &Uuml;bertragung bruchfrei gelingt.</p>
<p class="sample"><a href="images/Cockpit_800px.png" onclick="return openPopup('/images/Cockpit_800px.png', '');"><img src="/images/cockpit_450px.png" /></a><br />
<span class="gray" style="margin-left: 0pt; padding-left: 0pt">Cockpit eines Cup-Porsche. Zum Vergr&ouml;&szlig;ern bitte anklicken.</span></p>
<p>Bleiben wir beim Automobil. Als Vorbild kommt dort nur der Rennsport in Frage. Es geht regelm&auml;&szlig;ig um hohe Investitionen. Das Verlustrisiko ist hoch. In allen Phasen wird unter h&ouml;chstem Zeitdruck gearbeitet. Fehler wirken sich dramatisch aus. Es gibt kaum Raum f&uuml;r Korrekturen. Aus der Volkswirtschaftslehre d&uuml;rfen wir ableiten, dass nur unter solchen Extrembedingungen Systeme mit idealtypischem Charakter reifen. Das gilt auch f&uuml;r Hilfssysteme, wie die Instrumentierung im Rennwagen.</p>
<p>Was f&auml;llt am meisten auf?</p>
<p>Die Geschwindigkeit wird digital angezeigt. Keine Skala. Keine Zeiger. Warum? Es kommt dem Fahrer darauf an, in Sekundenbruchteilen ablesen zu k&ouml;nnen, ob die Geschwindigkeiten an Bremspunkt, Kurveneingang und Kurvenausgang sind, wie sie sein sollen. Dabei z&auml;hlt jedes km/h. Jede grafische Chiffrierung w&uuml;rde die Ablesbarkeit erschweren.</p>
<p>Dass sich Analogtachos im normalen Auto weiter halten, ist der Mode geschuldet und dem Umstand, dass die Kurveneingangsgeschwindigkeit am Nordring 98 und anderswo gesetzlich limitiert und keiner Optimierung unterworfen ist. Dass sich Analogtachos auch im Managementberichtswesen weiter halten, ist ebenfalls einer Mode geschuldet, die sich allerdings einer falsch verstandenen Analogie bedient. Denn welches Interesse haben Manager an der Chiffrierung ihrer Kennzahlen, die nun einmal Zahlen sind?</p>
<p>Dass nur Digitaltachos wahrhaft sportlich sind, k&ouml;nnte an dieser Mode eines Tages etwas &auml;ndern, wenn auch aus den falschen Gr&uuml;nden.</p>
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		<title>Mindestqualifikation f&#252;r Controller: Spagat</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Nov 2007 15:57:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Nicolas Bissantz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Business Intelligence]]></category>
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		<category><![CDATA[Berichtswesen]]></category>
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		<description><![CDATA[Modernes Controlling bewegt sich auf schmalem Grat. Entscheidungen dürfen nicht vorweggenommen werden. Aber der Controller soll auch Gutachter sein. Da hilft nur eins: Mut zur Unsicherheit.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Modernes Controlling bewegt sich auf schmalem Grat. Entscheidungen d&uuml;rfen nicht vorweggenommen werden. Aber der Controller soll auch Gutachter sein. Und IT-Fachmann. Und, und, und. Was hilft, den Vielfach-Spagat zu meistern?</strong></p>
<p>Wie gef&auml;hrlich Instrumente sind, die <a href="http://blog.bissantz.de/sachsen-lb">Entscheidungen mit naiven Methoden</a> vorwegnehmen, wissen wir bereits. Es gibt auch Instrumente, die so kompakt und dicht berichten, dass man in vielen Situationen dem Management das <a href="http://blog.bissantz.de/guerillacontrolling1">komplette Datenbild</a> zum selber Hirnen bereitstellen kann. F&uuml;r Routineberichte halte ich das f&uuml;r einen gangbaren Weg: Die kompakten Visualisierungsformen daf&uuml;r gibt es und der Reiz des <a href="http://blog.bissantz.de/grafische-tabellen">Couchcontrolling</a>  ist hoch.</p>
<p><strong>Will das Controlling Gutachter sein, muss es den Mut haben, Unsicherheit zu wagen.</strong> In einer Welt voller Grauschattierungen Wahrheiten in schwarz und wei&szlig; anzubieten, mag Demagogen gut stehen, seri&ouml;s ist es nicht. Nur wer wagt, die Grenzen seiner Aussagen zu dokumentieren, kann auf vern&uuml;nftige Wirkung hoffen. Dazu geh&ouml;ren folgende Regeln:</p>
<ol>
<li><strong>Kennzeichnen Sie Berichte namentlich.</strong> Berichte werden von Menschen gemacht. Software erstellt keine Berichte. Es erh&ouml;ht die Glaubw&uuml;rdigkeit und reduziert das Risiko einer Fehlinterpretation, wenn wir die entstehende Verantwortung bewusst &uuml;bernehmen und alles, was wir produzieren, mit unserem Namen kennzeichnen. Wenn wir auf Daten Dritter zur&uuml;ckgreifen, sollten wir auch dort eine Person als Quelle identifizieren. Wenn es keine gibt, machen wir das deutlich, z.&#160;B. mit &bdquo;N.N., Statistisches Bundesamt&ldquo;. Ich finde, es geh&ouml;rt bereits zur Technik der Manipulation, wenn wir lediglich eine bekannte Institution als Quelle benennen. Bestenfalls handeln wir gedankenlos. Die suggerierte Glaubw&uuml;rdigkeit jedenfalls kann auf uns zur&uuml;ckfallen.</li>
<li><strong>Vergr&ouml;bern Sie Ihre Zahlen.</strong> Bei genauem Hinsehen ist es peinlich, so zu tun, als w&uuml;sste man tats&auml;chlich so genau Bescheid, wie es eine Zahl mit 9 Stellen suggeriert. Wenn man 5,6 M schreibt, ist das ein klares Signal, dass es um diese Gr&ouml;&szlig;enordnung geht und nicht um den Wahrheitsanspruch von 5.563.745,23. Diese <a href="http://blog.bissantz.de/scheingenauigkeit">Scheingenauigkeit</a> suggeriert nicht vorhandene Sicherheiten. Grobheit signalisiert: Es geht nicht um den exakten Betrag, es geht darum, ob die Richtung stimmt, ob wir gut &uuml;berlegt haben, ob wir planvoll handeln.</li>
<li><strong>Keine Adjektive.</strong> Adjektive &uuml;berlassen wir Revolverbl&auml;ttern. Dass etwas gestiegen ist, l&auml;sst sich zweifelsfrei belegen. Ob eine Steigerung um 23&#160;% &bdquo;deutlich&ldquo;, &bdquo;m&auml;&szlig;ig&ldquo;, &bdquo;entt&auml;uschend&ldquo;, &bdquo;dramatisch&ldquo; ist, entscheidet der Betrachter. Das gen&uuml;gt v&ouml;llig.</li>
<li><strong>Verachten Sie Corporate Design.</strong> Controlling ist keine Marketingveranstaltung. Das Logo Ihres Unternehmens und anderer Schnickschnack geh&ouml;ren nicht auf einen Bericht. Der CEO wei&szlig;, welchem Unternehmen er vorsteht. Wenn das Corporate Design schon 1/3 einer PowerPoint-Folie verschlingt, nenne ich das visuelle Selbstbefriedigung der Marketingabteilung. Lassen Sie alles weg, was keine Bedeutung hat. Hintergr&uuml;nde, Rahmen, K&auml;stchen, Logos. Corporate Design macht alles gleich. Machen Sie nur gleich, was gleich ist.</li>
</ol>
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