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Doppelseite gegen Schlagseite

Unser August-Posting zu einer vermurkst skalierten Grafik im Spiegel hat Kreise gezogen: Ein Magazin für Infografiker hat unsere Argumentation aufgegriffen und dem Fall eine Doppelseite gewidmet – mit Finessen, die auch fürs Controlling taugen würden.

Ende Oktober waren wir beim Symposium „Push, Pop, Press: Interaktive Infografiken im Fokus der Forschung“. Es fand in Stuttgart an der Hochschule der Medien statt. Die Professoren Michael Burmester, Ralph Tille und Wibke Weber haben das Symposium organisiert und durch den Tag geführt. Dabei waren Vertreter von dpa, Spiegel online, dem ZDF und dem Springer Verlag, Grafikdesigner, ein Kartograph und Menschen, die interaktive Infografiken erforschen.

Die Staatsverschuldung der USA//The Federal Debt of the USA. Quelle: IN GRAPHICS Vol. 3, Berlin 2011, S. 26-27.
Diese Infografik im A3-Format machte Jan Schwochow aus unseren beiden Postings zur schlagseitig skalierten Spiegelgrafik. Quelle: IN GRAPHICS Vol. 3, Berlin 2011, S. 26–27.

Wir erklärten, was uns an der Spiegelgrafik zur Verschuldung der USA stört und warum wir finden, dass die Leute logarithmisch und nicht linear malen sollen. Jan Schwochow fand das gut und lud uns ein, unsere Argumente in seinem Magazin IN GRAPHICS zu wiederholen. Sein Magazin kennen wir natürlich und waren erschrocken. Sofort fiel uns Wolf Schneider ein, über den wir hier schon sprachen. Erinnern Sie sich? Seine ernüchternde Warnung für alle, die seine Seminare für besseres Schreiben besuchen, lautet: „Sie schreiben für mäßig interessierte Leser über mäßig interessante Themen.“ Das gilt für uns ja eben nicht. Im Controlling schreiben wir für Manager, die gespannt auf unsere aktuellen Berichte warten. In der IN GRAPHICS würden wir bei Infografikern mit einer Infografik für ein Thema werben, für das wir sonst unseren Blog hier haben, beliebig lang, nach Belieben textlastig, am liebsten verlinkt.

Wir lehnten dankend ab und fragten Jan Schwochow, was er aus unseren beiden Postings zum Thema machen würde. Ein paar Tage später war ein erster Entwurf da und wir staunten nicht schlecht. Wir texteten ein wenig mit und überlegten gemeinsam, ob und wie wir die Funktionsweise des Logarithmus erklären wollen. Wir taten es – und zwar so:

„Logarithmische Skalen beschriftet man z. B. mit 2, 20, 200 und 5, 50, 500. Gezeichnet wird aber mit dem Logarithmus davon – mit 0,3, 1,3, 2,3 und 0,7, 1,7, 2,7. Schau auf die Nachkommastellen: Die sind für 2, 20, 200 usw. gleich. Deshalb sind es auch die geometrischen Abstände zwischen z. B. 20 und 30 oder 200 und 300.“

Wieder ein paar Tage später saßen wir über dem inzwischen eingetroffenen Endergebnis. Schauen Sie es sich genau an. Es enthält wundervolle grafische Finessen. Sich verjüngende und verbreiternde Streifen zeigen, wie willkürlich lineare Skalen quetschen und dehnen (oberer Teil der Doppelseite).

Die Dynamik verschiedener Zeitabschnitte wird durch Extraktion von Linienab­schnitten gezeigt. Die Abschnitte werden grafisch normiert, indem man sie alle auf der gleichen Grundlinie starten lässt.

Wundervoll ist auch, wie normierte Zeitreihen gelegt werden: nicht übereinander (wie üblich), sondern hintereinander.

Diese Finessen müssen wir uns für Controllingzwecke noch einmal anschauen. Für den Moment halten wir fest: In den Medien wird’s logarithmischer. Wer sich’s im Unternehmen noch nicht traut, legt seinem Vorstand eine IN GRAPHICS auf den Tisch. Seite 26 aufgeschlagen.

Dienstag, 29. September 2015

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