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Galilei, der erste Infografiker (Kunst und Datenanalyse II)

Galileo Galilei kam über die Kunst zur Geometrie und von dort zur Mathematik. Sein Malerfreund Lodovico Cigoli verglich ihn mit Michelangelo. Galileis Zeichnungen z.B. der Mondoberfläche dienten dem Zweck, Anschauung und Analyse zu verbinden. Er steigerte die Auflösung des Fernrohrs vom damals üblichen Neunfachen auf das Zwanzigfache. Die damit erfassten Segmente des Mondes setzte Galilei zuerst im Kopf, dann in der Zeichnung zusammen. Er untersuchte zeichnerisch und rechnerisch, wie Höhenverhältnisse sich in Licht und Schatten offenbaren. Die Erkenntnisse mündeten in fein nuancierte Darstellungen der Mondoberfläche und der Mondphasen.

Monddarstellung von Galileo Galilei, 1610

Die Idee, zeichnerische Qualität an den Anfang des Erkenntnisakts zu stellen, ist auch beinahe 400 Jahre später noch gültig. Ein Beispiel gibt Bella mit einer Infografik des exzellenten Steven Romalewski. Bei ET finden wir die wunderbaren Beispiele der großartigen Megan Jaegermann.

Wo zeichnerische Elemente hingegen keine Inhalte mehr tragen, entstehen Schmuck‑ anstelle von Infografiken. Im folgenden Beispiel ist der überflüssige Firlefanz optisch so dominierend, dass das Auge ständig von der Zahlenreihe weg zu den dunkel abgesetzten Figuren springen will. Die zeichnerischen Elemente sind hier nicht nur unnötig für den Erkenntnisakt, sie behindern ihn sogar.

Nürnberger Nachrichten, schrumpfende Erwerbsbevölkerung, 2007

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