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Noch mehr Torten

So viele schlimme Beispiele konnte man einfach nicht in einen Artikel packen. Daher hier die zweite Hälfte. Wenn ihre Urheber sie nur essen müssten. Dann wäre der Spuk bald vorbei.

So schlimm wie in Zeitstrukturtorten kommt es nicht immer. Standard ist eher der Typus „Die Überflüssige“. Es ist eben so, wir können Segmente schwer schätzen. Wenn sie zufällig ¼, ½ oder ¾ betragen, geht es noch, da wir Winkel von 90° und 180° gut erkennen. Sonst aber sind wir chancenlos. Diese Torte muss man lesen, um sie zu verstehen:


Tortensorte „Die Überflüssige“ (Financial Times Deutschland, 21.11.2008, S. 18)

Wenn wir sie erst lesen müssen, welchen Mehrwert liefern dann die grafischen Elemente? Und wenn man sie dann gelesen hat, ist man enttäuscht. Mickrige Daten mit viel Zuckerguss. Das Redesign macht klar: Wenig Daten und viel Verpackung ist wenigstens für uns und das Managementreporting keine Option. Wenn man nur vier Datenpunkte hat, dann sollte man damit auch nicht herumdrucksen:


Man schaut zweimal hin, es waren tatsächlich nur vier Datenpunkte

Mit wenig Daten sind Torten pathetisch. Mit vielen Daten sind sie einfach nur schwer zu beschriften. In der originalen Stückeltorte sehen wir: zwei Elemente machen je ein Viertel des Marktes aus. Da haben wir mal Glück, weil wir 90°-Segmente schnell erkennen. Um den Rest zu verstehen, fangen die Augen an, im Kreis zu fahren. Man kann sich das Gefrickel vorstellen, das nötig war, die Verbindungslinien zu zeichnen.


Zertstückelte Rübentorte (Financial Times Deutschland, 16.07.2008, o. S.)

In einer schlichten Balkengrafik hingegen würden die Werte stehen, wo sie hingehören: vergleichbar untereinander. Das sähe dann z. B. so aus (man könnte dann noch Ländercodes hinter die Firmennamen schreiben, dann würde die Überschrift noch einen Sinn bekommen):


Die Rübendaten ohne Zuckerguss

Mühelos verschlimmern kann man alles mit Flugtorten, die in 3D herumschweben. Es ist ein wenig deprimierend, wie lange man über die Grafik irrt, um die 4 Zahlen sinnvoll zu ordnen. Dass wir Segmente noch schlechter erfassen und vergleichen können, wenn wir das räumlich tun sollen, nährt den Verdacht, dass den Macher die Zahlen, die er darstellt, nicht die Bohne interessieren. Jon Peltier nannte diese Haltung unlängst sehr treffend „Chartainment“.

Welt am Sonntag, 4,
27.01.2008, S. 43

Redesign der Torte

Auch auf diese Torte, Typus „Mysterium“ hätten wir gerne verzichtet. Noch mehr aber auf den Streich, die Werte teilgruppiert und teilsortiert, Start im Nirgendwo, anzuordnen und auf die mysteriöse Verwendung der Farben.


Mysteriös: Unternehmen aus Orangeland gruppiert, japanische nicht (Handelsblatt 111, 11.6.2008, S. 15)

Schade. Einfach unlesbar. Die Zahlen darin wären durchaus interessant. Keine wilden Prognosen, sondern staatliche Realität und das datendicht. Aber bis man alles geordnet und verstanden hat, ist auch das ernsthafteste Interesse verflogen.


Unlesbar – auch nach dem Klick zum Vergrößern (Süddeutsche Zeitung, Nr. 164, 16.07.2008, S. 38)

Bei herkömmlicher Darstellung könnte die Aufmerksamkeitsspanne ausreichen und die Frage befördern, warum zwar von einem Überschuss die Rede, der aber in den Zahlen nicht erkennbar ist.


Sogar verkleinert noch verständlich. Klicken vergrößert.

Wer noch nicht genug hat: Das bisher Gezeigte ist noch Konditoreiware. Bild zeigt, wie man Mogeltorten rund macht, bei denen Stücke fehlen.

Zum Trost: in drei zufällig durchgeblätterten Ausgaben des Wall Street Journal, die optimale Anzahl von Torten: 0.

Dienstag, 29. September 2015

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