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Pimp my Excel chart, Bill!

Grafische Elemente sollen das Auge lenken. So die Theorie. Viel öfter aber betrügen sie das Auge, zumindest in der Praxis. Wie man die häufigste Ursache für Blamagen umgeht: Excels Diagrammassistenten meiden.

Wenn grafische Elemente Wertverhältnisse illustrieren sollen, geht das mitunter schief. Die Grundregel ist einfach: Die grafischen Unterschiede müssen proportional zu den Wertunterschieden sein. Ein Blick in beliebige Magazine und Geschäftsberichte zeigt, dass diese Regel oft verletzt wird. Das passiert vielen, ohne dass sie das eigentlich wollen. Die Fälle, in denen bewusst verzerrt wird, haben wir an anderer Stelle schon behandelt.

Wie schlimm die Verzerrung werden kann, zeigt ein Beispiel aus der SportAuto (Heft 6/2007, S. 55). Ein aufwändiger und kompetenter Test von Sportreifen war mit fünf Grafiken garniert, die die tatsächlichen Wertunterschiede grafisch bis zum 13-Fachen übertrieben. Nicht zu glauben, aber wahr. (Zwei der Grafiken stehen rechts.)

Lügenfaktor SportAuto
Bei proportionaler Darstellung ist der längste Balken 3 % länger als der kürzeste. Bei der SportAuto sind es 41 %. Das ist eine Übertreibung um den Faktor 12 (41,5/3,4). Beim Michelin 19“ ist es sogar der Faktor 13 (24,4/1,9).

Wie kann derlei passieren, ohne dass wir Absicht unterstellen? Sehen wir uns an, wohin ein gutgläubiger Anwender gerät, wenn er die Daten der SportAuto in Excel eingibt und den Diagrammassistenten benutzt:

Excel - Ergebnis mit Diagrammassistent

Das wird in Excel aus den SportAuto-Daten: Der Diagrammassistent schneidet die Achse automatisch ab und verzerrt willkürlich die optischen Wertunterschiede.

Lügenfaktor des Diagrammassistenten von Excel
Kaum zu glauben, wie groß die Verzerrung dadurch wird: Der längste Balken ist um 93 % statt 3 % länger als der kürzeste und übertreibt damit um das 27-Fache (93,0/3,4).

Excel schneidet die Achsen ohne Hinweis darauf ab und generiert damit einen grafischen Totalschaden. Die Übertreibungen übertreffen die der SportAuto noch. Die Daten werden bis zum 27-Fachen verzerrt.

Excel mit fairer Skalierung

So sehen die Daten bei fairer, weil proportionaler Darstellung aus. Es geht um Zeitunterschiede von maximal 3 %. Und so sieht die Grafik jetzt auch aus.

Über alledem schwebt wiederum die Frage, was eigentlich dargestellt werden soll. Ich vermute, man wollte im Fall der Grafik zum Trockenhandling die Performanceunterschiede unabhängig von der Streckenlänge herausarbeiten. Die geringen relativen Differenzen würden sich ja zu großen absoluten Differenzen addieren, wenn nicht der 1700 m lange Handlingkurs, sondern die 20,8 km lange Hausteststrecke der SportAuto, die Nordschleife, befahren würde. Da wären 3 % bei einer Basiszeit von z. B. 8 : 23 dann schon 8 : 38.

Soll dieser Unterschied herausgearbeitet werden, geht das grafisch korrekt auch mit Excel, indem man eben die Unterschiede zu einem Referenzwert abbildet. Hier zum bestem Reifen im Trockenhandling, dem Michelin mit 46,7 sec.

Darstellung im Vergleich zu einem Benchmarkwert

Unterschiede deutlich herauszuarbeiten geht auch ohne willkürliche grafische Verzerrungen, wenn die Darstellungsidee stimmig ist und erklärt wird. Hier sind es die Differenzen zum Testsieger beim Trockenhandling, dem Michelin (18 Zoll).

Ein Kommentar zu “Pimp my Excel chart, Bill!”

  1. Volker Zeng meint:

    Vorschlag: Wenn man die Unterschiede zum Michelin-Reifen im Diagramm darstellt, dann sollte auch dieser Reifen dort erscheinen (mit dem Wert 0 eben). Damit dürfte im Diagramm schon klar werden, dass der Michelin-Reifen der Vergleichsmassstab ist.

    LG, Volker

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