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Können wir Banken wie Autos steuern?

Die Sachsen LB könnte es versucht haben. Ihr Verwaltungsrat verließ sich auf ein paar Ampeln. Die waren meistens grün. Die Folgen für den Steuerzahler lassen manchen jetzt eher rot sehen.

Der Blitzverkauf der Sachsen LB muss BI-Anbieter nachdenklich machen. Als Steuerzahler sind wir es schon. Dass dem Softwaremarketing keine Vereinfachung zu dämlich ist, wissen wir. So wundert man sich etwa über die Beispiele in Microsofts Demo für den Business Scorecard Manager. Das glücklicherweise fiktive Unternehmen Contoso wird mit äußerst dünner Datengrundlage gesteuert. In der Welt der Produktdemo natürlich erfolgreich.

Die verwendeten Grafiken gehören zu der Sorte, die Bella in ihren Kommentaren zu zweckmäßiger Datenvisualisierung regelmäßig zum Knurren findet. Die Beispiele operieren durchweg mit Informationsdichten, die den regelmäßigen Leser des Sportteils einer Tageszeitung an der Ernsthaftigkeit von Kontrollgremien in der Wirtschaft zweifeln lassen müssen. Die oft propagierten Dashboards fürs Management arbeiten mit etwa 5 % der Datendichte von Sportergebnistabellen.

Macht nichts, ist ja nur Reklame? Und reale Unternehmenssteuerung und Marketing sind doch zweierlei? Seit dem Drama um die Sachsen LB bin ich mir nicht mehr ganz sicher. Was ihr Verwaltungsrat Ronald Weckesser in den Tagesthemen darüber sagte, auf welche Art von Informationen man sich zur Risikobewertung verließ, weckt einen schlimmen Verdacht:

„Man kriegt ja regelmäßig den Risikobericht, da kann man nachgucken. Und da hat man so eine kleine Ampel drin, mit den drei Farben, rot, gelb, grün. Und wenn es grün ist, und der überwiegende Teil war eben im grünen Bereich, hoch geratet von internationalen Agenturen, „Triple A“ heißt das, sagt man, na, dann scheint es so zu gehen.“

Hat da jemand etwas falsch verstanden? Oder tragen gar die Berater das als Know-how zur Unternehmenssteuerung zu den Klienten, was im Marketing noch als wohlfeil gelten kann? Das wäre schade. Seit Jahren gibt es Besseres als vermeintliches Entertainment des Managements per effektheischender, aber informationsarmer Visualisierung. Es gibt hilfreiche Navigationsverfahren, die auch komplexere Hierarchien schnell durchleuchten, robuste Ansätze zur Frühwarnung und zweckmäßige Darstellungen auch für detaillierte Datenlagen. Und all das wird auch von Leuten verstanden, die keine Finanzmarktprofis sind.

Vielleicht verdeutlicht die Entschuldigung Weckessers, welche Verantwortung wir als Informationsdesigner tragen. Vorbehalte* gegen Ampeln sind nicht neu. Auch versierte Geschäftsführer und Vorstände verwenden sie nur mit größter Vorsicht. Wer grüne Ampeln liefert, statt der detaillierten Daten dahinter, leistet keine Entscheidungshilfe, er nimmt die Entscheidung vorweg. Das kann ins Auge gehen. Wer es tut, weil er seinem Publikum nichts zutraut, kommt um die Folgen nicht herum. Schon einmal fand eine Untersuchungskommission den Zusammenhang zwischen ungeeigneter Verwendung von Informationsparadigmen und realen Katastrophen. Damals ging es um PowerPoint und die Raumfähren der Nasa. Es bleibt abzuwarten, wie die Sache im Fall der Sachsen LB ausgeht.

* Bissantz, N., Praxiserfahrungen mit Data-Mining-Projekten, in: Grothe, M. und Gentsch, P., Business Intelligence, München u.a. 2000, S. 188–206.

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