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Sportlines: Die ersten Sparklines in einer deutschen Zeitung

Sparklines sind ein atemberaubendes intellektuelles Vergnügen. Besonders auf Papier. Jetzt haben wir es auch auf Zeitungspapier probiert. In der Traffic News-to-go.

Über den Sommer und Herbst 2005 telefonierte ich in meiner euphorischen Begeisterung für Sparklines mehrmals mit einem großen deutschen Verlag für Wirtschaftszeitungen. Mein Anliegen: Die Verlage haben Angst vor dem Internet, warum also nicht etwas probieren, was im Internet mangels Auflösung nicht so gut geht – Sparklines malen nämlich. Und damit zeigen, dass Papier Zukunft hat, solange wir das kostbare Papier mit etwas bedrucken, was die Mühe lohnt. Man überlegte und überlegte und ließ es bis heute. Derselbe Verlag gab einem seiner Hauptblätter einen „Relaunch“. Auch der fand ohne Sparklines statt.

Traffic News-to-go, Ausgabe Juni 2010. Seite 6: Artikel "Sportlines" über Sparklines in der Sportberichterstattung, Seite 7: Artikel "Spritztour" über Jeff Koons.
Yes, we can: Sportliche Sparklines auf Papier. In der Juni-Ausgabe der Traffic News-to-go. Neben Jeff Koons.

In der Folge meinte ich als Leser diverser Zeitungen beobachten zu können, dass den sinkenden Werbeeinnahmen und Auflagen vor allem mit Sparen begegnet wird. Autoren, die weniger kosten, weniger Recherche, schlechtere Artikel.

Das deprimierte mich und ich überließ die Missionierung der Presse vor allem Bella. Feuer fing ich erst wieder, als Murat Suner, mein guter Freund aus Studientagen, Mitherausgeber der Traffic News-to-go wurde.

Murat, dessen Familie aus Istanbul stammt, hatte schon in jungen Jahren Pionierhaftes geleistet. Mit gleichgesinnten Studenten gründete er eine viel beachtete Organisation, die es sich zum Ziel machte, Eliten davon zu überzeugen, dass kulturelle Andersartigkeiten zwischen Orient und Okzident nicht zum damals viel beschworenen Clash of Civilizations führen müssen. Die FAZ sah das auch so und würdigte dies 1993 mit einem Bericht auf ihrer Titelseite.

Traffic News-to-go, Ausgabe Juni 2010. Seite 6: Artikel "Sportlines" mit Sparklines für die letzten 4 Saisons der Fußball-Bundesliga.
Auf Papier in gleicher Größe gestochen scharf. Im Internet nur ausschnitts­weise und in Vergrößerung zu lesen.

Die Traffic erscheint seit Dezember 2009 und erhielt im März 2010 von der Lead Academy eine Auszeichnung in der Kategorie „Newcomer des Jahres“. Das monatlich erscheinende Blatt wird kostenlos in Großstädten von Zeitungsjungen und –mädchen in traditionellen Knickerbockers und Schiebermütze verteilt und liegt an ausgewählten Orten aus, derzeit in Berlin, Hamburg, Zürich und Amsterdam.

Gemeinsam beschlossen wir, uns auf die Stärken des Papiers zu besinnen und zu tun, was überfällig ist: Sparklines auf Zeitungspapier drucken. Wir haben das erstmals in der Juni-Ausgabe getan. Passend zur Jahreszeit haben wir uns dem Fußball gewidmet und dafür die dichotomen Sparklines verwendet, wie wir sie zuerst bei Edward Tufte gesehen haben.

Verwendet haben wir dafür unseren SparkMaker, mit dem jeder seit 2005 Sparklines ausprobieren kann. Besonderen Spaß hat es gemacht, mit Sparklines Sätze zu bilden, in denen die Folgen aus Siegen und Niederlagen zu Adjektiven und Verben wurden. Zum Beispiel, um den Weg von Bayern München zum aktuellen Meistertitel zu beschreiben: Sparkline: Alle Spielergebnisse des FC Bayern München in der Saison 2009/2010.. Mittelmäßiger Auftakt, wenig Patzer, mittendrin eine beflügelnde Siegesserie – die längste aller Teams in dieser Saison, wie dann ein Vergleich mit den anderen Mustern in der Tabelle zeigt.

Man beschreibt eine Beobachtung und liefert das Beweismaterial in unmittelbarer Nähe mit. Eine solche argumentative Verzahnung ist neu, vergnüglich, fordernd, begeisternd. Es gibt eben Dinge, die gehören auf Papier, und andere, die gehören ins Internet. So wie dieser Blog.

Ein Kommentar zu “Sportlines: Die ersten Sparklines in einer deutschen Zeitung”

  1. Hannes Sander meint:

    Ich drücke die Daumen, dass es nun viele Nachahmer geben und sich die Geduld auszahlen wird… Und noch eine Zustimmung: dieses Weblog gehört ins Internet! 😉

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