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Torten: zum Essen, nicht zum Messen

Erfunden hat sie William Playfair. Das ist 207 Jahre her. Genauso alt schmecken sie auch: Tortengrafiken. Meistens jedenfalls. Experten hassen sie sowieso. Trotzdem sind sie verbreitet wie keine zweite Grafikform. Warum eigentlich?

Nehmen wir es vorweg: Die Verwendung von Torten verrät fast immer den grafischen Anfänger. Wie ich zeigen will, sind die Fallstricke, in denen sich der Tortenfan verheddern kann, so zahlreich, dass die Gefahr großer Blamage nur der Neuling und der aber unfreiwillig auf sich nimmt.

Die meisten Torten glänzen durch Trivialität und handwerkliche Mängel. Das erste Beispiel gehört zu dieser Sorte Altgebäck:


Altgebäck: Nicht weiter schädlich, aber auch nicht erhellend
(Financial Times Deutschland vom 21.11.2008, S. A4)

Triviales wird trivial dargestellt. Prozentanteile fehlen, der Leser soll sie erahnen oder errechnen. Meist nicht weit entfernt von Mängeln an darstellerischem Ehrgeiz sind inhaltliche Mängel. Anders als es Beschriftung und Text suggerieren, finden wir für den „großen Teil vom Kuchen“, den Versicherungsmakler haben, nicht den kleinsten Anhaltspunkt. Wie ein neugieriger Blick in die zitierte Quelle, Seite 8, verrät, werden nämlich nur die Beiträge der Versicherten gezeigt, aber keine Provisionen.

Ein anderer, echter Fallstrick ist der Anschein der Vollständigkeit. Denn, ja, in der Tat, wenn es uns darauf ankommt zu demonstrieren, dass wir eine Gesamtheit komplett zeigen, dann signalisiert das nichts besser als eine Torte. Das ist aber bei Licht betrachtet sehr selten der Fall, weil wir die Gesamtheit meist gar nicht kennen und daher eine Verteilung innerhalb eines mehr oder weniger willkürlichen Ausschnitts zeigen.

Das nächste Beispiel leidet darunter, aber noch sehr viel mehr unter dem kaum verdaulichen Backrezept für Zeitstrukturtorten. Wer versucht, diesen Murks zu verstehen, weiß, warum Tortenskeptiker es so sagen: Es gibt nur ein Design, das schlimmer ist, als eine Torte: mehrere davon.


FAZ vom 29.07.2006, S. V30, zum Vergrößern anklicken

Das Auge springt verzweifelt hin und her, um sich die Geschichte zu erschließen. Viel Arbeit für ein paar unsichere Prognosen, die nach Ölpreisverfall, verarmenden russischen Milliardären und Finanzkrise inzwischen nicht mehr viel wert sein dürften. Und eigentlich wäre es sehr einfach:


Ausgaben für Luxusgüter – Redesign der FAZ-Daten als Grafische Tabelle

Demnächst mehr. Erst die Weihnachtsente, dann die Torten. Das ist zuviel. Bis nächstes Jahr!

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