Was tun gegen das Gehampel mit der Ampel?

Entscheider, die eine Ampel als Entscheidungshilfe erhalten, haben eigentlich nichts mehr zu entscheiden. Die Wertung ist bereits vom Berichtsersteller vorweggenommen. Sie kann vom Entscheider gar nicht mehr nachvollzogen werden. Dabei braucht es gar nicht viel für eine Verbesserung der Situation.

Vor den Gefahren eines Ausnahmeberichtswesens, das sich an starren Schwellen orientiert und Abweichungen dann per Ampel visualisiert, wurde an dieser Stelle bereits gewarnt. Die Sache bekam unerwartete Aktualität durch den Fall der Sachsen LB.

Jedoch spricht wenig gegen eine bedächtige Automatisierung lästiger Routine, die Informationen dann verteilt, wenn gewisse Bedingungen eingetreten sind, im einfachsten Fall der Abschluss einer Buchungsperiode.

Damit aber gar nicht erst der Wunsch aufkommt, Berichte zu unterdrücken, sollen sie so attraktiv sein, dass sie die Empfänger zum Nachdenken inspirieren, auch wenn keine Katastrophen zu würdigen sind. Das bedeutet, dass die gelieferten Zahlen durchaus eine Wertung durchlaufen haben dürfen, sortiert sein sollen und markiert werden können, wenn dafür vernünftige Kriterien gewählt wurden. Eine Ampel, die Werte ersetzt, kommt nicht in Frage. Wo Platz für eine Ampel ist, ist auch Platz für die ursprüngliche Zahl. Wir wären wieder bei starren Schwellen und der realitätsfremden Fiktion eines dösenden Managers, der nur gebraucht wird, wenn es brennt.

Einfach, aber wirksam: Sortierung

Die einfachste Wertung ist die Sortierung nach der dargestellten Größe selbst. Wann immer möglich, ist sie anzuwenden. Eine alphabetische Sortierung ist fast immer fehl am Platz („Albanien zuerst“). Eine Ausnahme sind Schemata, die man nicht durch Sortierung durcheinander bringen will, weil sie eine mathematische Logik beinhalten, wie das z. B. bei einer Deckungsbeitrags-Rechnung der Fall ist. Mit Verfahren wie dem multidimensionalen Ranking können wir beliebig viele Perspektiven (Kunden, Produkte, Regionen usw.) gleichzeitig und gegeneinander vergleichen.

Raffiniert, aber bisher nur für Eingeweihte: Abweichungsgewichtung

Ampeln verarbeiten entweder absolute oder relative Größen. Bei verschiedenen Bezugsgrößen geht das schief. Kleine prozentuale Abweichungen bedeuten bei einem Milliardenbetrag schmerzhafte Einbußen. Bei kleinen Beträgen sind auch große prozentuale Abweichungen nicht spürbar. Umgekehrt spürt der Vorstand eines Pharmariesen zehntausend Euro Abweichung vom Monatsumsatz nicht, der dafür verantwortliche Pharmavertreter das in seinem Gebiet aber sehr. Helfen kann hier die gegenseitige Gewichtung relativer und absoluter Abweichungswerte durch Multiplikation beider Abweichungswerte. Um die Wirkung zu verstehen, ordnen Sie in der folgenden Tabelle die Spalten A bis D abwechselnd nach ihrer absoluten und relativen Größe sowie nach der gewichteten Abweichung.

Gewichtete Abweichung als Indikator

Nur die gewichtete Abweichung gibt die Relevanz der Abweichungen korrekt wieder.

Das nächste Mal werfen wir einen Blick auf Methoden, die noch raffinierter und dennoch leichter zu kommunizieren sind.