Sind Fußballfans klüger als Manager?

Warum Managementberichte wieder dichter werden müssen und Dashboards auf einem Missverständnis beruhen.

Wer sich für Sport interessiert, liest montags morgens gerne die Spielergebnisse vom Wochenende nach. Und sich für seinen Heimatclub zu begeistern, gilt den Psychologen als eine der einfachen Möglichkeiten zu mehr Glück im Alltag. Als Wahl-Nürnberger bin ich da vorsichtig. Statt für Fuß- entschied ich mich für Basketball.

Meine Montagmorgenlektüre zeigt mir die Ergebnisse in der Basketball-Bundesliga: den Ausgang der sechs Spiele vom Wochenende und den Tabellenstand der 18 Vereine. Das sind insgesamt 108 Zahlenwerte auf einer Achtel DIN-A4-Seite.


Nürnberger Nachrichten, 30.10.2006.

Da die Nürnberger Basketballer seit Beginn der Saison kein Spiel gewonnen haben (Stand: 30.10.2006), zweifle ich nicht nur an meinem Glücksratgeber, sondern suche Trost im Aktienteil meiner Zeitung. Da bekomme ich etwa ein Tausend Werte auf einer DIN-A4-Seite.

Less is not more, less is a bore

Für einen Manager wäre das bereits der Höhepunkt an Informationsdichte für den Rest des Tages gewesen. Seit Managementinformationssysteme aussehen wie Tachometer, enthalten typische Unternehmensberichte etwa 50 Zahlen pro Seite und erreichen damit nur etwa 6 % der Informationsdichte meiner Basketballtabelle.

Dass Armaturenbretter aussehen, wie sie aussehen, hat einen guten Grund. Im Gegensatz zu Autofahrern schauen Manager aber nicht aus dem Fenster, um ihr Unternehmen zu steuern. Sie haben durchaus mehr Zeit für das Studium eines aussagekräftigen Berichts.

Verstehen heißt Vergleichen

Um aussagekräftig zu sein, muss ein Bericht Vergleiche ermöglichen. Das tut er nur, wenn er nach Möglichkeit alle dazu nötigen Zahlen auf einer Seite versammelt. Die so genannten Dashboards erfüllen den Wunsch der Manager nach kompakter Information nicht durch Verdichtung, sondern durch Weglassen. Das ist grober Unfug.

Maximales Daten-Tinte-Verhältnis

Gutes Berichtsdesign beruht auf einfachen Prinzipien und ihrer konsequenten Einhaltung. 3D, Vielfarbigkeit und naiv vereinfachte Grafiken gehören nicht dazu. Neue Möglichkeiten eröffnen verfeinerte Techniken wie Sparklines, grafische Tabellen, parametrierungsfreie Warnsignale oder automatische Trenderkennung.

One Reply to “Sind Fußballfans klüger als Manager?”

  1. Ich gebe Ihnen Recht mit den „Tachometer“-Designs. Andererseits lesen Sie EINE Basketballtabelle, suchen dort (wahrscheinlich?) hauptsächlich nach IHREM Club (ich persönlich suche nur ALBA). Bei den Aktien ist es wahrscheinlich ähnlich: in dem Zahlenwust, oder der Zahlenwüste, suchen Sie nach wie vielen Werten? DAX plus zwei, drei Einzelwerte?

    Also ist doch die Frage, wie viele Zahleninformationen nehmen Sie aus den Übersichten bewußt auf? Sind das dann wirklich mehr als die 12 bis 60 Werte aus den von Ihnen kritisierten Dashboards?!

    Als (Ex‑)Controller kann ich ein Lied von singen, wie man – selbst als „Zahlenmensch“ – in Zahlenwüsten geradezu verdurstet. Daher machen diese Dashboards schon Sinn. Auch wenn die Manager nicht aus dem Fenster schauen, haben sie doch auch nur begrenzt Zeit, diese Berichte zu lesen und zu verstehen. Schliesslich kann man ein Unternehmen nicht mit Berichte lesen führen ;-)a

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