Dashboard oder Trashboard?

Die Softwareindustrie liebt sie, Visualisierungsexperten hassen sie: die kleinen, bunten Controllingtachos, die den Vorständen auf einen Blick sagen sollen, ob der Konzern an die Wand fährt oder auf Kurs ist. Ist die Armaturenbrett-Metapher wirklich ein geeigneter Ansatz zur Visualisierung geschäftsrelevanter Zahlen?

Die Grundidee klingt gut. Alle Zahlen auf einen Blick, so wie man das vom Autofahren gewohnt ist. Ein gut gestaltetes Armaturenbrett ist ein Beispiel für „Small Multiples“-Design: Dasselbe Gestaltungsprinzip wird für mehrere Darstellungen wiederholt. Einmal verstanden, werden alle Anzeigen verstanden. Im Auto warnen die Anzeigen vor potenziell gefährlichen Situationen für Besatzung und Fahrzeug. Dasselbe wünscht sich jeder Unternehmenslenker.

Hier jedoch enden die Parallelen.

Während des Autofahrens sollten und haben wir die Straße im Blick. Dort finden wir die notwendigen Informationen, um ein Fahrzeug erfolgreich zu steuern. Weil sich diese Informationen rapide verändern, können wir dem Zustand des Fahrzeugs selbst nur wenig Zeit gönnen. Das Armaturenbrett muss daher innerhalb von ein oder zwei Sekunden alle wichtigen Informationen liefern. Ein Vorstand jedoch verbringt seine Zeit nicht damit, aus dem Fenster zu sehen und ab und an einen Blick auf seinen Computerbildschirm zu werfen. Ebenso wenig wird er durch die Gänge hasten und dabei an die Wand gepinnte Indikatoren im Vorbeieilen erfassen wollen.

Wenn wir auf den Tacho blicken, dann können wir in der Folge beschleunigen oder verlangsamen. Es gibt keine dritte Option. Daher reicht die Anzeige der Geschwindigkeit für diese Handlungsalternative völlig aus. Das Ergebnis eines Unternehmens hingegen hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, die zudem auf verwirrende Weise miteinander verwoben sind. Diese Faktoren gilt es zu zeigen. Die Dashboard-Metapher geht jedoch verschwenderisch mit dem Platz auf dem Bildschirm um. Sie zeigt eine einzige Zahl, wo bei tabellarischer Darstellung ein Dutzend Zahlen hinpassen würde. Ein prohibitives Unterfangen angesichts des Informationshungers, den ein Vorstand aufgrund seiner schwierigen Aufgabe hat.

Informationssysteme müssen die Denkaufgaben unterstützen, für die sie gebaut sind. Einige wenige Zahlen, die nur den letzten aktuellen Wert ohne Kontext zeigen, tun dies nicht.

Andere Stimmen

„Wenn Dashboard so verstanden wird, dass Informationen hoch verdichtet auf einer Seite präsentiert werden, halte ich es für sehr hilfreich. Wenn aber irgendwelche Tachos oder Thermometer ein ‚Dashboard‘ darstellen sollen, halte ich es für großen Quatsch. Die Führungskräfte gieren nach Verdichtung, nach Informationen auf einer Seite.“ Prof. Dr. Rolf Hichert, is report, 6/2005

„‚Dashboards‘ and other such things are gimmicky, they obfuscate the relationships between multiple data, and are not necessarily appropriate for the data they intend to describe.“ Malcolm, July 10, 2003

„I cannot imagine an executive staring out of his office window and only glancing at his computer screen for a second or two to evaluate the status of his business at that particular time.“ Craig Pickering, September 23, 2003

Hinweise

Eine intensive Diskussion dieses Themas finden Sie wieder einmal auf unserem Lieblingsforum für datenanalytische Themen Ask E.T.

Ein gutes Beispiel dafür, wie viel Informationen man dicht, aufschlussreich und intensiv auf wenig Raum unterbringen kann, finden Sie hier.

Was wir für dichtes und kompaktes Informationsdesign tun …

Lesen Sie weiter:
Teil II – Dashboards vs. Sparklines
Teil III – Wegweiser statt Stoppsignale