ABC der Management-Information II

Weiter geht es mit einer kompakten Zusammenfassung der Themen und Begriffe, die uns bewegen, wenn Management-Information und Business Intelligence die gewünsch­te Wirkung haben soll. Dieses Mal: von B wie Balkendiagramm bis D wie Drittelgesetz.

Balkendiagramm

Für uns die wichtigste Form von → Diagrammen, weil sie am besten in → Grafische Tabellen passt und damit viele platzfressende und schwer zu beschriftende „Business Charts“ überflüssig gemacht hat. Die Länge von Balken lässt sich besser vergleichen als die Höhe von Säulen. Balken nimmt man für Strukturen, Säulen vor allem für Zeitreihen.


Auf unseren Foren ein häufiges Thema: Was sind die Themen, an denen sich entscheidet, ob sich die ganze Mühe auch lohnt, die für die Management-Information aufgewendet wird?

Berichtsregeln

Vorschriften für die Gestaltung von Berichten und → Diagrammen mit Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Zu formalen Gestaltungsregeln siehe → Notation. Beispiele für inhaltliche Gestaltungsregeln sind: Zeit läuft von links nach rechts (→ Zeitregel), Kennzahlen gehören untereinander (→ Kennzahl-Regel) und Aktuell und kumuliert gehören zusammen (→ Kumulations-Regel). In der Anwendung kommt es mitunter zu Konflikten, die zeigen, dass es eine hierarchische Ordnung der Regeln gibt, so dass im Einzelfall die wichtigere Regel den Ausschlag gibt. Gutes Berichts‑ und Diagrammdesign ist somit immer ein Kompromiss. Die Voreinstellungen und → Berichtsvorlagen von DeltaMaster sind diesen Regeln entsprechend gestaltet.

Beschriftung

Wichtiges, aber oft vernachlässigtes Element der Gestaltung. Unverständliche oder inkonsistente Bezeichnungen und Abkürzungen, umständliche Verweise und Legenden lassen den Leser schnell so stolpern, dass → Aufmerksamkeit und Verständnis leiden. Im Grenzfall entscheidet die Beschriftung darüber, ob ein sehr guter Bericht unbrauchbar wird. Kryptische Bezeichnungen, die nur Eingeweihte verstehen, sind in einer Unternehmenswelt mit häufigen Jobwechseln Produktivitätskiller. In DeltaMaster lassen sich Lang‑ und Kurzbezeichnungen übersichtlich verwalten und pflegen, dynamische Bezeichnungen automatisch ableiten und andere höfliche Dinge tun.

Betreffzeile

Möglicherweise das Element der Management-Information mit dem größten Hebel zur Überwindung des Engpasses → Aufmerksamkeit. In meiner Generation wurden E-Mails erst erfunden, deswegen wissen wir es noch gar nicht so lange: Berichte, die per E-Mail verschickt werden, drohen in der Flut elektronischer Nachrichten genauso schnell unterzugehen wie auf anderen Kanälen. Aber: Da sich niemand dagegen wehren kann, die Betreffzeilen seine E-Mails zu lesen, kann man die Kernbotschaft des versandten Berichts dort platzieren – am besten mit der führenden Kennzahl dazu. DeltaMaster kann das.

Big Data

Ein eher schwammiger Begriff. Steht auch für das Staunen darüber, wie viel Daten man heute hat, und die Hoffnung, damit etwas Sinnvolles zu tun. Unsere Deutung: → Data Mining ist erwachsener geworden und neue Datenbanken, die gewaltige Datenmengen im Hauptspeicher halten können (→ In-Memory Computing), bringen frischen Wind in Datenmustererkennung, Simulation und Realtime-Anwendungen für Controlling und Marketing. Kritiker sagen: Viele Daten sind nicht automatisch auch gute Daten, stimmt. Vgl. auch → Datenerhebung. DeltaMaster geht mit dem Thema differenziert um: Data-Mining-Algorithmen profitieren ganz unterschiedlich von der Zugriffslogik. Manche sind rasend schnell in OLAP-Datenbanken, andere performen nur richtig mit relationalem Datenzugriff. Manche funktionieren am besten, wenn der Zugriff sogar hybrid gelöst ist.

Blickfolge

Wichtiges Gütekriterium für Berichte. Sehen und Denken sind so eng miteinander verdrahtet, dass scheinbar kleine Unterschiede in den Augenbewegungen Denken fördern oder behindern. Vertikale Augenbewegungen sind weniger anstrengend als horizontale, weite Sprünge sind ausgesprochen unangenehm und Ping-Pong-Blickfolgen sind deutliche Anzeichen für missglücktes Berichtsdesign. Die sogenannten → Sakkadenbewegungen des Auges machen besonders empfindlich bei ruckelnder oder kontraintuitiver → Animation.

Blickfolgenaufwandsgesetz

Beschreibt den negativen Zusammenhang zwischen Blickfolge und → Aufmerksamkeit. Je länger oder komplizierter eine Blickfolge, desto höher wird die Anstrengung beim Lesen und desto eher leidet die Aufmerksamkeit. Müssen Zahlen senkrecht gelesen werden und eine Grafik dazu unterbricht diesen Lesefluss durch große waagrechte Sprünge, ist das besonders anstrengend. Grafiken in DeltaMaster sind daher so konstruiert, dass günstige Blickfolgen entstehen.

Boardroom-Lösungen → Leitstand

Change Blindness

Tückisch für jede Gestaltung von Information: Man überschätzt die Zuverlässigkeit der eigenen Wahrnehmung. Im Grunde übersieht der Mensch mehr, als er sieht. Selbst große Veränderungen, z. B. zwischen zwei Darstellungen, können unbemerkt bleiben, wenn die Aufmerksamkeit auf etwas anderes gerichtet war oder kurz abgelenkt wurde. DeltaMaster kombiniert „Knalleffekte mit Zwischentönen“, um dem Phänomen beizukommen: Großflächige farbige Signale erregen die Aufmerksamkeit, kleiner werdende Signalflächen lenken die bewusste Wahrnehmung dann zu Details und Ursachen.

Cloud

Rechenzentrum, das Anwendungen übers Netzwerk, meist das Internet bereitstellt. Für die Management-Information bedeutet Cloud Computing oft, einen Browser als Front-end zu Daten zu benutzen, die irgendwo liegen können. Das ist Vorausset­zung für mobile Anwendungen, die gleichzeitig interaktiv sein sollen. Ob der End­anwender vom Cloud Computing etwas hat, hängt auch davon ab, wie geschickt mit den Einschränkungen umgegangen wird, die ein Browser mit sich bringt. DeltaMaster gibt es im Browser und für mobile Endgeräte mit Fingerbedie­nung als hybride App, die als native Hülle für einen Browser dient. Das ist gut für Eleganz und Effizienz gleichermaßen.

Dashboard

Denglisch für kompakte Kennzahlsammlungen auf einer Seite (vgl. → Tachos).

Data Mining (Datenmustererkennung)

Unser Lieblingsthema, mit dem bei uns alles anfing. Steht für den Wunsch nach Automatisierung von Routine, für das Generieren von Verdachtsmomenten und das Erkennen neuer Zusammenhänge. Aktuell Belebung des Themas durch alles, was mit → Big Data zusammenhängt. DeltaMaster gilt mit Recht als Pionierprodukt für betriebswirtschaftliches Data Mining und hat dafür den Innovationspreis der Gesellschaft für Informatik gewonnen.

Data Scientist

Neue Berufsbezeichnung für Leute, die schon alles wissen, was hier steht. Finden wird man sie vor allem unter Wirtschaftsinformatikern, die auf dem Laufenden sind. Die Herausforderung für den Data Scientist liegt vor allem darin, zwischen Fachabteilung und IT den rechten Weg zu finden. Auf der einen Seite ist er mit der Hoffnung der Fachabteilung konfrontiert, man könne das unberechenbare Verhalten von Märkten und Kunden berechenbarer machen. Auf der anderen Seite will und kann die IT ihre datenliefernden Prozesse gar nicht so schnell anpassen, wie sich die fachlichen Fragen ändern. Auch deshalb wünscht man sich → Self-Service BI.

Datendichte

Gütemaß für Berichte (→ Auflösung). Gute Berichte sind datendicht und dennoch leicht lesbar. Sind sie es nicht, liegt das oft an der Gestaltung und nicht an der Datenmenge. Bemerkenswert ist, dass die Szene lange mit → Dashboards warb, die mit 5–10 % der Datendichte operierten, die eine schlichte Ergebnistabelle der Fußballspiele vom Wochenende aufweist. In DeltaMaster sorgen Sparklines, Microcharts und Grafische Tabellen für hohe Datendichte bei guter → Ablesbarkeit.

Datenerhebung

Unterschätztes Mittel für Business Intelligence. Die Auswertung vorhandener Datenbestände leidet mitunter darunter, dass die Daten für einen anderen als den jetzt interessierenden Zweck erhoben wurden. Wir werben für → Instant BI, das von DeltaMaster damit unterstützt wird, dass auch Fachanwender aus Excel-Tabellen oder Textdateien schnell eine Anwendung aufbauen können, mit der die Daten dann betriebswirtschaftlich, statistisch oder per Data Mining ausgequetscht werden können.

Deckungsbeitragsrechnung

Summarisches Kennzahlschema, das vom Umsatz über Zwischenstufen zum Bruttogewinn leitet. Kern des Controllings im Sinne einer kurzfristigen Erfolgssteuerung. Schlägt die Brücke zur Gewinn‑ und Verlustrechnung in der Bilanz. Wegen Rechnen mit Standardkostenwerten mehrdimensional ausweisbar. Damit sind auch Deckungsbeiträge für kleinere Ergebnisobjekte wie Produkte, Regionen, Kunden möglich. In DeltaMaster Teil des → Vorlagenkonzepts, Gegenstand von → Regeln und wichtigster Bestandteil des → Zentralberichts.

Deutungspriorität

Konzept, das uns in der Wahrnehmungstheorie als Grundlage für → Integritäts­regeln fehlte. Bei Linien deutet man vor allem, wie steil oder flach sie verlaufen. Bei Balken und Säulen geht es um die schiere Länge. Punktlinien wiederum ähneln Säulen, funktionieren aber wie Linien. Aus alledem folgen Regeln: zum Beispiel, dass man Säulen die Füße nicht abschneiden darf und Linien meistens logarithmisch skaliert werden müssen. In DeltaMaster sorgen eingebaute Integritätsregeln dafür, dass sich der Anwender um die Deutungspriorität nicht mehr kümmern muss, sondern die standardmäßig erzeugten Grafiken integer sind.

Diagramm

Grafische Kodierung von Zahlen. Die bekannten Formen mit Balken, Säulen, Linien und Torten wurden vor mehr als 200 Jahren erfunden und haben sich seitdem kaum weiterentwickelt. Missverständliche oder manipulative Verwendungen sind recht häufig, wie es scheint: oft aus Unkenntnis. Gerade in den letzten Jahren gab es wieder viel Diskussion um neue grafische Formate, → Sparklines sind darunter die größte Neuerung. Wir legen uns ins Zeug, die typischen und sehr platzraubenden (→ Auflösung) Diagramme durch → Grafische Tabellen zu ersetzen. Bella nimmt regelmäßig die → Infografiken der Tagespresse auseinander und zeigt, wie es besser ginge.

Dichotomie

Eigenschaft von Merkmalen. An oder aus, ja oder nein, Mann oder Frau sind typische Merkmale, die nur zwei Ausprägungen haben. Für die Management-Information interessiert uns die Dichotomie als Postulat für die Gestaltung von Warnmeldungen und im Umgang mit Farben: → Ampeln kennen drei Zustände, was sie in unseren Augen zu schwammig macht. Kennzahlen wiederum kann man ebenfalls dichotom mit Hilfe von → Farben kennzeichnen. Entweder sie wirken positiv auf den Gewinn, dann malen wir sie in DeltaMaster blau an, oder sie wirken negativ auf den Gewinn, dann malen wir sie rot an. Wir finden, ein Berichtswesen, das nicht zwischen gut und schlecht fürs Geschäft trennen kann, drückt sich um seine eigentliche Aufgabe herum.

Differenzierung

Gütekriterium für Diagramme und Berichte. Kann in Prozent Wertunterschied pro Pixel gemessen werden. Entscheidet darüber, wie schnell man erkennt, was gleich geblieben und was neu und anders ist. Hängt von der → Skalierung und der → Auflösung ab. Um die nötige Differenzierung zu erhalten, muss man statt der absoluten Werte mitunter die Abweichungen von einem Durch­schnitt oder einem Vorgabewert zeigen. In den Vorlagen von DeltaMaster gilt, dem Namen entsprechend: Alle Pixel gehören dem Unterschied.

Drei-D (3D)

Bei der Darstellung von Räumen, Landschaften oder Architektur eine wunderbare Sache, aber fast immer Unsinn für Diagramme, weil schwerer ablesbar. Bella hat dazu schon einiges gesagt. In DeltaMaster sind alle automatisch generierten Darstellungen in 2D, wir überlegen sogar, die 3D-Funktionen aus den Do-it-yourself-Verfahren auszubauen.

Drittelgesetz

Kognitives Ordnungsprinzip. Die Komplexität der Welt lässt sich brauchbar reduzieren durch eine Beschreibung und Einteilung in jeweils drei Gruppen. Zum Beispiel: „Mag ich“, „ist mir egal“, „mag ich nicht“. Eine Einteilung in zwei Gruppen ist dogmatisch („Gläubige/Ungläubige“), vier sind schwammig, fünf ist genauer, als wir es sagen können. Das gilt auch für die Gruppierung von Daten-Elementen, wie sie mit DeltaMaster verarbeitet werden.