Management zwischen Intuition und Automation

Das Controlling, heißt es, zählt Erbsen. Und das ist gut, denn wir müssen wissen, wo wir heute stehen, um den Kurs für morgen zu bestimmen. Zu oft jedoch stimmt das Verhältnis zur Zahl nicht: Ihr Zauber wird überschätzt, wenn wir die komplexe Wirklichkeit in einfache Kenngrößen und Ampeln zwin­gen wollen. Wer nach Kausalität, Zusammenhang und Beweis sucht, muss zäh sein und langen Atem haben. Im betrieblichen Alltag ist dafür selten Raum. Die Kraft der Zahl wird unterschätzt, wenn wir ihr erst trauen, sobald sie genau erhoben, gereinigt und geprüft, dann aber längst veraltet ist.

Bissantz Executive Forum Berlin 2011_Reinhold Messner und Dr. Nicolas Bissantz

Für erfahrene Manager sind Faktum und Intuition, Bauch und Verstand, tes­tierte Zahl und überschlägige Rechnung weder Gegensätze noch stehen sie in Konkurrenz. Die erstaunlichste Rechenleistung findet immer noch im mensch­lichen Gehirn statt, das zahllose Eindrücke, Erfahrungen, Informationsschnip­sel, Fakten, Zahlen, Schätzungen zu einem stimmigen Bild der Zukunft und unserer Handlungsmöglichkeiten formt und auf dieser Grundlage den Kurs bestimmt.

Wenn wir die Führung von Unternehmen mit Software unterstützen wollen, müssen wir an der menschlichen Informationsverarbeitungskapazität anset­zen, dürfen weder vereinfachen und unterfordern noch verkomplizieren. Das Faktische muss sich mühelos offenbaren, seine Bewertung aber bleibt dem Entscheider vorbehalten. Wir können Suchprozesse und die Hypothesenbil­dung in riesigen Datenräumen an den Rechner delegieren und automatisieren. Die Maschine kann Muster aufzeigen, Daten sprachlich komprimieren und den Entscheidungsraum auf Verdachtsmomente reduzieren.

Es ist an der Zeit, dass wir die Grundlage der softwaregestützten Entschei­dungsfindung erneuern. Wir sehen für die unmittelbare Zukunft ein Manage­mentparadigma, in dem das angebliche Bauchgefühl als das erkannt wird, was es ist: blitzschnelle unbewusste Informationsverarbeitung entlang bewährter Entscheidungsregeln mit hoher Treffsicherheit. Wir können dem Rechner einen Teil dieser Intuition einhauchen und vor allem: die Intuition des Menschen durch Automation unterstützen.

Bissantz Executive Forum Berlin 2011 - Referent: Reinhold Messner während seines Vortrags

Wie das geht, wie weit unsere Klienten auf diesem Weg schon fortgeschritten sind und welche Entwicklungen noch vor uns liegen, das alles zeigten und disku­tierten wir in Berlin am 27.05.2011. Unsere Referenten spannen in ihren Beiträgen den dazu nötigen weiten Bogen zwischen Vision und Pragmatismus, zwischen Anspruch und bereits Erreichtem. Der Extrembergsteiger Reinhold Messner zeigte, dass faktenbasiertes Risikomanagement Teil jeder noch so kühnen Unterneh­mung ist. Unternehmer und Unternehmensvertreter von Bechtle, Bissantz & Company, Porsche und der Paul Gerhardt Diakonie wiederum machten deut­lich, dass Zahlenkontrolle nur gepaart mit Leidenschaft dem betriebswirtschaft­lichen Kalkül den Erfolg sichert.