Der siebte Dan: Daten in Sätzen

Wer sich in der Darstellung von Tabellen und Grafiken bereits gewappnet fühlt, findet in der verbalen Darstellung von Daten die nächste angemessene Herausforderung. Wie der Bioethiker Peter Singer seine Anliegen belegt, ist dafür ein gutes Beispiel.

Das Schöne an Regeln sind ihre Ausnahmen. Eine meiner Regeln: Daten gehören in Tabellen, am besten in Grafische Tabellen. Eine Ausnahme, von der man lernen kann, fand ich in einem Text von Peter Singer. Singer ist Professor für Bioethik in Princeton und laut Time Magazine einer der 100 einflussreichsten Menschen der Erde.


Daten in Sätzen: Ein Text so zahlen‑ und datendicht wie nur wenige Grafiken (WAMS, 20.04.2008, S. 13). Zum Vergrößern bitte anklicken.

Singers Text ist ein beeindruckendes Beispiel für seriöse analytische Beweisführung, die Wirkung auf den Leser hat. Die Botschaft finden wir dort, wo sie hingehört, schon im Titel. Sag, was Du sagen willst, und bringe dann Deine Belege. Singer beweist Distanz zu seinem Sujet, benennt die mögliche Antithese, zeigt die Kriterien, an denen er den Gegenstand messen will, und beschreibt seine Quellen.

Dann lässt Singer eine rein verbale Tour de Force folgen, durch Umfrage­ergebnisse von WorldPublicOpinion.org zum Thema Diskriminierung. Daten und Argumentation sind zu einer homogenen, kompakten Einheit verknüpft. Die Details der Umfrage sind verbal komprimiert. Der folgende Satz ersetzt mit 20 Worten eine Stapelgrafik der Originalerhebung mit 48 Datenwerten.

„In elf Ländern glaubt die Mehrheit, dass im Laufe ihrer Lebenszeit Menschen anderer Rasse und ethnischer Herkunft fairer behandelt wurden.“

Im Vergleich sieht man: Die Wirkung der verbalen Darstellung von Daten ist größer. Der Autor bezieht Position. Er wählt aus und wertet für den Leser. Ein scharfes Schwert, im Guten wie im Schlechten. Singer weiß es zu führen. Wir anderen sollten erst üben.