Report Performance Measurement

Die Naturwissenschaften bewaffnen sich mit Mikroskop und Fernrohr, um schlauer zu werden. Womit bewaffnen sich Betriebswirte? Warum Auflösung wichtig ist und wie wir die Güte von Berichten messen wollen.

Die Technik hat es besser. Sie hat Fehlerraten, Ausschussquoten und anderes, um Outputqualität zu messen. Das macht mich neidisch und ein wenig rastlos. Warum fehlt dem Controlling derlei bislang? Warum sollen wir nicht auch Maßstäbe haben, an denen wir die Qualität unserer Berichte messen können? Ich habe mir ein paar ausgedacht. Zunächst aber ein Blick über den Zaun.


„Powers of Ten“: Fortschritt im Erkennen beruht auf Fortschritt in der Auflösung

 

 

 

 

 

10 x 10 cm der Wirklichkeit: unsere Haut in einer Auflösung von 10-1

Wir gehen näher, 10-2 entspricht 1 Zentimeter

Noch näher, 1 Millimeter, 0,1 Zentimeter, unsere Hautfalten sind gerade noch sichtbar, wir sind bei 10-3

10 hoch -4, 0,1 Millimeter

Jetzt sind wir schon im Inneren, 10-5, 10 Mikrometer: wir sehen die weißen Blutkörperchen (Lymphozyten)

10-6, 1 Mikrometer, das ist unfassbare 1 Millionstel Meter, und wir sehen den Zellkern im Inneren eines weißen Blutkörperchens

Wie der Film „Powers of Ten“ von Charles und Ray Eames anschaulich vor Augen führt, beruht der Fortschritt menschlichen Erkennens in allen Bereichen auf der Zunahme von Auflösung. Am Anfang des Films sieht man ein junges Paar auf einer Decke in einem Park liegen. In Schritten von 10er-Potenzen entfernt sich die Kamera von den beiden, bis die Erde und schließlich unser Sonnensystem nur noch winzige Punkte eines größeren Ganzen darstellen und damit ihre vergleichende Einordnung erfahren. Im zweiten Teil dringt die Kamera erneut in Schritten von 10er-Potenzen in den menschlichen Organismus ein und zeigt die Macht des Details. Es verwundert nicht, dass am Anfang der Himmelsbeobachtungen von Galileo Galilei die Erfindung eines Fernrohrs mit dem 20fachen der bisherigen Stärke stand.

Verständnis und Eroberung des Weltraums ebenso wie medizinische Fortschritte sind untrennbar mit Potenzen von 10 im Heranholen des Entfernten und dem Eindringen in das Mikroskopische verbunden. Ebenso müssen Manager ihr Unternehmen als Ganzes immer wieder in Relation zu ihrer Umwelt sehen. Sie brauchen den Blick auf den unmittelbaren Wettbewerb, die regionalen, nationalen und internationalen Märkte. Und sie müssen den Blick auf die Details, das Zusammenwirken der eigenen Strukturen und Ressourcen richten.

Das kann nur gelingen mit Darstellungen, die dieser Informationsvielfalt mit Dichte begegnen, die überall sonst aus ähnlichen Gründen ein Wert an sich ist, nach dem mit aller Macht gestrebt wird. Mehr Transistoren auf einer Platine, mehr Pixel je Zoll Bildschirm, mehr Dots per inch beim Druck, mehr Daten pro DVD, höhere Übertragungsraten in bestehenden Datenleitungen, dichteres Benzin-Luft-Gemisch im Motor: Verdichtung ist immer wieder der Schlüssel für höhere Effizienz, Erkennen, Fortschritt.

Datendichte Die Qualität eines Berichts wird daher umso höher sein, je dichter er ist, ohne dass gleichzeitig aber seine Verständlichkeit leidet. Ginge es nur um die Anzahl von Datenwerten pro Seite, dann wäre der Kursteil des Wall Street Journal mit fast 3.000 Werten pro Seite DIN A4 schon der perfekte Bericht. Angesichts vieler jämmerlich datenarmer Standardberichte mag uns dennoch ein sehr einfaches Dichtemaß bereits weiterhelfen.

Differenzierung Neu und für Pixelländer durchaus aufregend ist die Frage, was Auflösung für grafische Elemente bedeutet. Wie lang, breit, hoch müssen Säulen, Balken, Linien, Punkte sein? Gibt es ein rechtes Maß hierfür, sodass wir es als Qualität interpretieren dürfen, wenn es getroffen ist? Ja. Manche Balken sind lächerlich breit und wären geeignet, auch noch Unterschiede von 0,2 % wiederzugeben.

Genauigkeit Müssen unsere Berichte immer auf den Euro oder sogar Cent genau sein? Sicher nicht. Unnötige Genauigkeit verschlechtert Lesbarkeit und Verständnis und raubt kostbaren Raum. Die richtige Genauigkeit hat folglich ebenfalls Einfluss auf die Berichtsqualität. Auch hierfür lassen sich Maße bestimmen.

Vollständigkeit Wir kennen die Landkartendarstellungen, in denen ein kleineres zusätzliches Bild verdeutlicht, wo in der Welt das Land oder der Ort liegen, den wir im Hauptbild in größerem Detail sehen. In analoger Weise benötigen wir Berichte, die Details zeigen, in denen wir uns aber nicht verlieren wollen. Was liegt daneben? Was liegt darunter? Ein qualitativ hochwertiger Bericht ist vollständig. Wir verstehen die Daten und ihre Relation zueinander, vertikal und horizontal.

Ich bin sehr optimistisch, dass wir den Technikern nicht mehr lange neidvoll über den Zaun blicken müssen.