Die heilige Kuh Information schlachten

Leben wir in einer Informationsgesellschaft? Ich glaube nicht. Informationen sind so knapp wie eh und je. Dafür bekommen wir soviel Desinformation, Lüge, Schlamperei wie nie zuvor.

Beispiele finden wir, egal wohin wir schauen. Manches ist systematisch und von höchster Stelle abgesegnet, manches beruht auf Unkenntnis, Zeitnot oder Ignoranz. Ein paar durchaus willkürliche Exempel, die die Bandbreite illustrieren:

Einer der Beweise aus Colin Powells Präsentation vor der UN 'Failing to disarm'
„Hello, Captain Ibrahim“: Einer der Beweise (sic!) aus Colin Powells Präsentation vor der UN „Failing to disarm“

Politisch motivierte Lüge
Inzwischen ist es heraus: Ex-Außen­minister Colin Powell, Ex-CIA-Chef George Tenet oder die Ex-Mitarbeiter von Tenet, irgendeiner oder alle logen wie gedruckt und am Ende stand Powell am 5.… weiter

Ampel-Controlling: Schwarz-Weiß-Malen mit Farben

Ampeln sind Chartjunk. Sie malen schwarz und weiß mit rot und grün. Weil ein bisschen Schwellen-Voodoo dabei ist, ist es intellektueller Chartjunk. Das macht sie besonders gefährlich. Für ihre Konsumenten und Produzenten. Schlimmer noch: Alternativen dazu sind so einfach.

Früher waren mir Ampeln zuwider, weil sie bei multikausalen Abweichungen die Warnsignale entlang der Berichtshierarchien multiplizieren. Ich gebe zu, das ist zwar richtig, ist aber ein wenig verschwurbelt.… weiter

Pimp my Excel chart, Bill!

Grafische Elemente sollen das Auge lenken. So die Theorie. Viel öfter aber betrügen sie das Auge, zumindest in der Praxis. Wie man die häufigste Ursache für Blamagen umgeht: Excels Diagrammassistenten meiden.

Wenn grafische Elemente Wertverhältnisse illustrieren sollen, geht das mitunter schief. Die Grundregel ist einfach: Die grafischen Unterschiede müssen proportional zu den Wertunterschieden sein. Ein Blick in beliebige Magazine und Geschäftsberichte zeigt, dass diese Regel oft verletzt wird.… weiter

Warum Auflösung schlau macht – Informationsdichte im Reporting

Was machen wir mit dem gewonnenen Platz, wenn unsere Darstellungen immer kompakter werden? Das haben wir uns letzte Woche schon gefragt und eine erste Antwort gegeben. Hier kommt die zweite: Wir werden schlauer.

Eine typische Businessgrafik, wie sie täglich millionenfach im Controlling erzeugt wird. Sie ist einigermaßen gelungen. Sie verzichtet auf unnötige Farben; Werte und Beschriftung sind am richtigen Platz. Die Skala könnte noch weg, die Zeitbezeichner könnten weniger redundant sein.… weiter

Ein Pfeil ist kein Pluszeichen

Weniger ist mehr. Das trifft oft zu, wenn Statistik und Manager aufeinandertreffen. Generell haben wir aber zu wenig Statistik in Datendarstellungen. Voraussetzung: Sie muss robust sein.

Am Dienstag war ich am Lehrstuhl für Marketing Intelligence von Professor Dr. Nicole Koschate an meiner Alma Mater, der WISO in Nürnberg. Ach ja. Zwar tragen die Hörsäle dort jetzt die Namen von Verbraucherkrediten, für die mit Leuten vom Schlage eines Lotto King Karl geworben wird, aber schöner sind sie allemal (die Hörsäle).… weiter

Tod der Businessgrafik

Visuelle Opulenz ist schlimm, inhaltliche Magersucht noch schlimmer. Das Ideal sind informationsdichte, optisch schlanke Berichte. Dafür braucht es ein scharfes Skalpell. Und: den Tod der Businessgrafik. Endlich.

Businessgrafiken prägen unsere Kommunikationskultur. Wenn sie aus Chartingprogramme kommen, wird daraus Unkultur. Wie sehr, lernte ich 1990 anlässlich eines studentischen Praktikums bei der Unternehmensberatung Roland Berger & Partner in München.

Tod der Businessgrafik

Das physische Ergebnis jedes Beratungsprojektes war und ist bis heute ein Chartband.… weiter

Die besten Fußballgrafiken kommen aus Nürnberg

Auch wenn es Hoffnung im UEFA-Cup gibt: In der Bundesliga kommen die besten Kicker derzeit nicht aus Nürnberg. Die besten Fußballgrafiken schon eher. Aber die gibt es nicht im kicker, sondern hier.

Pl. Team Sp. g u v Tore Diff. Pkte. Verlauf
1 Bayern München 17 10 6 1 31 : 8 23 36 Sparkline: Bayern München, Saison 2007/2008, Hinrunde
2 Werder Bremen 17 11 3 3 42 : 24 18 36 Sparkline: Werder Bremen, Saison 2007/2008, Hinrunde
3 Hamburger SV 17 9 5 3 24 : 13 11 32 Sparkline: Hamburger SV, Saison 2007/2008, Hinrunde
4 Bayer Leverkusen 17 9 3 5 32 : 16 16 30 Sparkline: Bayer Leverkusen, Saison 2007/2008, Hinrunde
5 Schalke 04 17 7 8 2 26 : 17 9 29 Sparkline: Schalke 04, Saison 2007/2008, Hinrunde
6 Karlsruher SC 17 8 4 5 19 : 21 -2 28 Sparkline: Karlsruher SC, Saison 2007/2008, Hinrunde
7 Hannover 96 17 8 3 6 27 : 28 -1 27 Sparkline: Hannover 96, Saison 2007/2008, Hinrunde
8 VfB Stuttgart 17 8 1 8 24 : 25 -1 25 Sparkline: VfB Stuttgart, Saison 2007/2008, Hinrunde
9 Eintracht Frankfurt 17 5 8 4 19 : 23 -4 23 Sparkline: Eintracht Frankfurt, Saison 2007/2008, Hinrunde
10 Borussia Dortmund 17 6 3 8 26 : 30 -4 21 Sparkline: Borussia Dortmund, Saison 2007/2008, Hinrunde
11 VfL Wolfsburg 17 5 5 7 30 : 30 0 20 Sparkline: VfL Wolfsburg, Saison 2007/2008, Hinrunde
12 Hertha BSC Berlin 17 6 2 9 19 : 24 -5 20 Sparkline: Hertha BSC Berlin, Saison 2007/2008, Hinrunde
13 VfL Bochum 17 5 4 8 25 : 27 -2 19 Sparkline: VfL Bochum, Saison 2007/2008, Hinrunde
14 Arminia Bielefeld 17 5 3 9 19 : 38 -19 18 Sparkline: Arminia Bielefeld, Saison 2007/2008, Hinrunde
15 Hansa Rostock 17 5 2 10 16 : 26 -10 17 Sparkline: Hansa Rostock, Saison 2007/2008, Hinrunde
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Watzlawick des grafischen Designs: Regel 13

Zwölf Regeln für schlechte Grafiken haben wir uns schon angesehen. Eine dreizehnte offenbarte jetzt meine Sonntagslektüre: Dekorieren Sie, was immer Sie sagen wollen, mit Daten, die das Gegenteil behaupten.

Unter der Überschrift „Deutsche fühlen sich beim Einkauf alleingelassen“ führt die WAMS über zwei Spalten aus, dass die Deutschen beim Einkaufen hochgradig unzufrieden sind. Sie vermissen genügend geöffnete Kassen sowie Verkaufspersonal.

Die in den Text platzierte Grafik tut, was gute Datenanalyse ausmacht.… weiter

Erkenntnisschönheit der Vorstandsvergütung

Vorstandsgehälter werden heiß diskutiert. Zahlen dazu mal in die eine, mal in die andere Richtung zurechtgelegt. Gutes Informationsdesign würde die Diskussion objektivieren. Die New York Times zeigt wie.

Klagen und Lamentieren ist leicht. Und Beispiele für schlechtes Informationsdesign gibt es mehr, als einem lieb sein kann. Umso schöner, wenn man unverhofft auf eine solche Datenschönheit wie dieses Exemplar aus der New York Times stößt.… weiter

Grafiken in der ZEIT: „Boooorrriinng!!!“

Grafiken langweilen uns zu Tode, wenn ihre Mittel uns zu unterhalten nicht Daten, sondern Dekoration sind.

Ali G. alias Borat alias Sacha Baron Cohen, Emma Thompson oder Roberto Benigni, der einen Oscar für seine Komödie (!) über den Holocaust „Das Leben ist schön“ bekam, haben die Schauspielschule des legendären Philippe Gaulier durchlaufen. Seine Methode ist konsequent. Wer sie kennenlernen möchte, kann einen seiner Workshops besuchen, die auch Nicht-Schauspielern offen stehen.… weiter