Farben-Leere

Heute wieder praktische Lebenshilfe: Fliegen ist sicherer als die Sicherheit des Fliegens darzustellen. Das hat viel mit Farben zu tun. Und lehrt uns: Wir müssen nicht alles malen.

Professor Ed Galea lehrt in London Feuerschutz und mathematische Modelle und hat sich mit den Risiken des Fliegens auseinander gesetzt. Er sagt: Lebensbedrohliche Abstürze gibt es sehr, sehr selten. Abstürze mit Todesfolge noch seltener.… weiter

Ein Männlein, ein Mensch

Von Barbie und Ken bis Madame Tussaud, von Playmobil bis zum Männleinlaufen: Menschen als Figuren bereiten Spaß oder sind lehrreich. In der Datenvisualisierung ist das meist umgekehrt. Beispiele und Ausnahmen.

Wer dieser Tage bei uns in Nürnberg den Christkindlesmarkt besucht hat, der hatte Gelegenheit, mittags das Männleinlaufen auf dem Hauptmarkt zu bestaunen. Die Kunstuhr wurde 1509 geschaffen und ist weltberühmt. Ein Herold erscheint, ein Ordner gibt den Takt vor, Posaunenbläser, Flötenpfeifer und Trommel­schläger spielen und auf dem Höhepunkt erscheinen die sieben Kurfürsten mit den Reichskleinodien, verneigen sich und umrunden dreimal Kaiser Karl IV, der mit seinem Zepter grüßt.… weiter

Voll korekkt

Diagramme sollte man genauso gründlich Korrektur lesen wie jeden beliebigen Text. Denn guter Inhalt verdient gute Form. Und unser Vertrauen leidet unter schlampiger Verpackung. Ein Plädoyer, nicht nur für Sprachsensible.

An einem schönen herbstlichen Wochenende fuhr ich durchs schöne Wispertal im Rheingau. „Biker’s Willkommen!“ – mit dieser Aufschrift wirbt dort ein Gasthof um Zweirad fahrende Besucher. Zwei Worte, vier Fehler. Inklusive des sogenannten Deppen-Apostrophs, der im Englischen den Genitiv kennzeichnet, im Deutschen hingegen nur einen Mangel an Kenntnissen desselben.… weiter

Noch mehr Torten

So viele schlimme Beispiele konnte man einfach nicht in einen Artikel packen. Daher hier die zweite Hälfte. Wenn ihre Urheber sie nur essen müssten. Dann wäre der Spuk bald vorbei.

So schlimm wie in Zeitstrukturtorten kommt es nicht immer. Standard ist eher der Typus „Die Überflüssige“. Es ist eben so, wir können Segmente schwer schätzen. Wenn sie zufällig ¼, ½ oder ¾ betragen, geht es noch, da wir Winkel von 90° und 180° gut erkennen.… weiter

Vergleichen Zeitreihenvergleiche Zeitreihen?

Zeitreihenvergleiche finden wir in beinahe jeder Zeitung, jedem Wirtschafts‑ und jedem Politmagazin. So häufig sie dort auftauchen, so tückisch sind sie. Was wir über Verläufe wissen sollten, damit wir keine falschen Schlüsse ziehen.

Solche blauen Wunder erlebe ich in letzter Zeit oft. In diesem Fall suggerieren die Linien: Heizöl ist explodiert, Strom leicht, Erdgas schwächer gestiegen.

Entwicklung der Preise

Wer aber nachrechnet, sieht: Das blaue Erdgas steigt in 17 (!) Jahren mehr als doppelt so stark wie der grüne Strom und fast so stark wie das rote Heizöl.

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Tod dem Dekogramm

Seine Liebhaber nennen es euphemistisch Infografik. Von guter Grafik, geschweige denn Information fehlt aber meist jede Spur. Ich nenne es Dekogramm und wünsche ihm die vollständige Ausrottung.

Letztes Mal waren wir so verblieben, dass Informationskultur von den Konsumenten ebenso eingefordert wie von den Produzenten bereitgestellt werden muss. Fangen wir gleich damit an: Wir wollen keine Infografiken mehr sehen!

Infografik
Mit diesem und anderen Beispielen wirbt die dpa für die Dienste ihrer Tochter dpa-infografik.… weiter

Der siebte Dan: Daten in Sätzen

Wer sich in der Darstellung von Tabellen und Grafiken bereits gewappnet fühlt, findet in der verbalen Darstellung von Daten die nächste angemessene Herausforderung. Wie der Bioethiker Peter Singer seine Anliegen belegt, ist dafür ein gutes Beispiel.

Das Schöne an Regeln sind ihre Ausnahmen. Eine meiner Regeln: Daten gehören in Tabellen, am besten in Grafische Tabellen. Eine Ausnahme, von der man lernen kann, fand ich in einem Text von Peter Singer.… weiter

Vor allem zeig Deine Zahlen

Wer verdichtet, versteckt sich und seine Daten. Nur selten haben wir Informationen, die so valide und repräsentativ sind, dass sie eine Kompression aushalten, ohne dass Bedeutung verloren geht.

Die WAMS, meine hochgeschätzte Sonntagszeitung, unterhält ein „Unternehmerpanel“. Zwölf Firmenchefs bewerten die gegenwärtige und zukünftige konjunkturelle Situation für ihr Unternehmen. Das Ganze nennt sich Unternehmer-Konjunkturindex.

Darstellung Unternehmer-Konjunkturindex, WamS 2008–04–06 S.29

Die WAMS steht mit derlei Darstellungen nicht allein.… weiter

Tod der Businessgrafik

Visuelle Opulenz ist schlimm, inhaltliche Magersucht noch schlimmer. Das Ideal sind informationsdichte, optisch schlanke Berichte. Dafür braucht es ein scharfes Skalpell. Und: den Tod der Businessgrafik. Endlich.

Businessgrafiken prägen unsere Kommunikationskultur. Wenn sie aus Chartingprogramme kommen, wird daraus Unkultur. Wie sehr, lernte ich 1990 anlässlich eines studentischen Praktikums bei der Unternehmensberatung Roland Berger & Partner in München.

Tod der Businessgrafik

Das physische Ergebnis jedes Beratungsprojektes war und ist bis heute ein Chartband.… weiter

Watzlawick des grafischen Designs: Regel 13

Zwölf Regeln für schlechte Grafiken haben wir uns schon angesehen. Eine dreizehnte offenbarte jetzt meine Sonntagslektüre: Dekorieren Sie, was immer Sie sagen wollen, mit Daten, die das Gegenteil behaupten.

Unter der Überschrift „Deutsche fühlen sich beim Einkauf alleingelassen“ führt die WAMS über zwei Spalten aus, dass die Deutschen beim Einkaufen hochgradig unzufrieden sind. Sie vermissen genügend geöffnete Kassen sowie Verkaufspersonal.

Die in den Text platzierte Grafik tut, was gute Datenanalyse ausmacht.… weiter